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Aktuelles:      

                        Homöopathie in der Palliativmedizin

 

 

Vom 30. Januar bis zum 1. Februar 2009 fanden im Krankenhaus für Naturheilweisen in München-Harlaching die Münchner Homöopathie-Tage statt. Ihr Motto „Am Ende des Lebens“.

Vorträge und Fallbesprechungen, meist auf Grund von Videofilmen über behandelte Patienten, gab es von Referenten aus verschiedenen Ländern. Ich greife den Arzt und Homöopathen  Dr.med. Jens Wurster heraus. Er studierte Medizin in München und behandelt seit 1998 in einer homöopathischen Klinik im Tessin hauptsächlich Tumorpatienten.

Sein Buch von 2006 „Die homöopathische Behandlung und Heilung von Krebs  und metastasierter Tumore“ erschien im Verlag Peter Irl 2008 bereits in 3. Auflage.

Er zitiert dort den §1 aus dem „Organon“ von Samuel Hahnemann „Des Arztes höchster und einziger Beruf ist, kranke Menschen gesund zu machen, was man heilen nennt.“

Kann die Homöopathie das bei Krebspatienten leisten?

Die Homöopathie will die Lebenskraft des Patienten stärken, wieder in Harmonie bringen, was disharmonisch im Körper des Menschen und in seiner Seele ihn krank machte.

Doch zur Homöopathie, sei es ambulant oder in eine so ausgerichtete Klinik, kommen Patienten, die im Sinne der Schulmedizin austherapiert sind, wo Chemotherapie und „Stahl und Strahl“, also chirurgische und Strahlentherapie ohne Erfolg blieben, wo Ärzte dem Leidenden nur noch Wochen oder wenige Monate Lebensspanne prophezeien.

Die Homöopathie ist oft die „letzte Wahl“.

Die Schulmedizin geht heute noch davon aus, dass es sich beim Krebsgeschehen um einen lokalen Prozess handelt. Demzufolge müsste nach einer Operation oder Bestrahlung der Patient eigentlich gänzlich geheilt sein. Wurster: Die traurige Statistik lehrt uns eines besseren. Der ganze Mensch ist krebskrank und erkrankt nur an seiner genetisch determinierten Schwachstelle. Oft wird ein, wie Hahnemann es nennt, Lokalübel geschaffen, in dem sich die Krebsgeschwulst manifestiert.

Für Wurster ist es kein Versagen der homöopathischen Therapie, wenn man die Schulmedizin mit einbezieht. Auch wenn er kein Freund der Chemotherapie ist, so hat er dennoch bei manchen sehr schnell wachsenden Tumoren mit einer Chemotherapie eine Reduktion der Tumormasse beobachtet, und hatte so  Zeit gewonnen, damit die homöopathischen Mittel greifen konnten. Wenn trotz einer Chemotherapie die Tumore rasch wuchsen, hatte er bei einer begleitenden homöopathischen Behandlung erlebt, wie die Tumore zurück gingen. Daraus folgt: Das Immunsystem ist der Schlüssel zur Heilung. Wenn es mit der Homöopathie gelingt das Immunsystem wieder anzuregen, dann wirkt es gegen jeden Tumor stärker als jede Chemotherapie.

Kommt ein Patient mit einem Tumor, der noch nicht vorbehandelt ist, so hat der Homöopath durch seine Anamnese ein klares Bild der allgemeinen Symptome des Patienten und der speziellen Tumorsymptome. Hier kann er leichter ein Mittel wählen als bei einem „austherapierten“ Patienten. Aber festzuhalten ist: Das beste Mittel für den Krebspatienten ist das, wo sich Konstitutionsmittel und Tumormittel entsprechen. Mit anderen Worten: Die bisherigen, historischen Symptome des Patienten und die Tumorsymptome decken sich.

Hat der Tumorpatient Schmerzen, so möchte er diese verständlicherweise als erstes loswerden. Doch manchmal kann der Homöopath, der sich auf die aktuelle Schmerzsymptomatik konzentriert, ein Heilmittel finden, welches nicht nur bei den Schmerzen hilft,  sondern eventuell auch bei dem Tumor. Schließlich gibt der Homöopath, anders als die Schulmedizin, nicht ein Mittel, welches die Schmerzempfindung reduziert, sondern er gibt ein inneres Mittel, welches einen inneren gestörten Zustand beeinflusst und auf grund dessen sich der Schmerz reguliert, er wird erträglicher.

In seinem Vortrag in Harlaching gab Wurster weitere Hinweise zur Schmerzbehandlung. Auch wenn nur die wenigsten Patienten mit fortgeschrittenen Tumorleiden wirklich geheilt werden können, so werden sie begleitet und erhalten Hilfe dabei, mit dem Tumor und mit bestmöglicher Lebensqualität zu leben. Deswegen sollte die Homöopathie mehr Einzug in die Palliativmedizin bekommen. Letztere wird nach der WHO und der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin definiert als „ die aktive, ganzheitliche Behandlung von Patienten mit einer progredienten, weit fortgeschrittenen Erkrankung und einer begrenzten Lebenserwartung zu der Zeit, in der die Erkrankung nicht mehr auf eine kurative Behandlung anspricht und die Beherrschung von Schmerzen, anderen Krankheitsbeschwerden, psychologischen, sozialen und spirituellen Problemen höchste Priorität besitzt“.

Auch wenn hier ein Heilen im Sinne des § 1 aus Hahnemanns Organon nicht mehr möglich ist, liegt hier ein wichtiges und wertvolles Arbeitsgebiet für Ärzte und Homöopathen.

Manche verzweifelte Tumorptienten leiden am meisten unter den Schmerzen, die auch mit stärksten Schmerzmitteln oder Morphinen nicht zu kontrollieren sind. Andere wiederum können gut mit den Schmerzen leben, wenn nicht die Angst vor dem Tod, oder die Verzweiflung die Familie verlassen zu müssen, ständige Unruhe und Angst auslöste.

Es macht einen großen Unterschied, ob ein Mensch in den sogenannten Endzuständen mit Homöopathie behandelt wird oder nicht. Wurster: „Wenn man erlebt hat, wie ein Mensch mit angstverzerrtem Gesicht, voller Unruhe und Angst den Tod erwartet und dann ein passendes homöopathisches Mittel erhält und sich auf einmal die Gesichtszüge entspannen und eine Ruhe einkehrt und die Angst vor dem Tod verschwindet, dann weiß man die Homöopathie als Geschenk für den Menschen zu schätzen.“

Genauso verhält es sich mit der Behandlung von Tumorschmerzen, wobei sich manchmal auch die Kombination aus konventioneller Schmerzmedikation und Homöopathie als sehr hilfreich erweist.

Bei den sogenannten Endzuständen kann die Homöopathie helfen, die letzte Phase des Lebens ohne Schmerzen und Angst, friedlich und würdevoll zu erleben.

 

 

 

© 2009 Gabriele Schöttler Heilpraktikerin

 

 

                      

                                                                Paracelsus

   Septem Defensiones

  Sieben Verteidigungsreden

 

 

Im Jahre 1525 waren die Bauernkriege in Süddeutschland (außer Bayern) und in Thüringen. Spätestens 1526 wurden diese sämtlich von den Herren mit ihren Truppen niedergeschlagen.

In den zehn Jahren davor und danach war Paracelsus´ Hauptschaffenszeit. Er, der eigentlich Theophrastus Bombast von Hohenheim hieß, verfasste tausende Seiten zu medizinischen Themen, zu pharmazeutischen, naturkundlichen und naturphilosophischen, auch theologischen. Er wurde nur 48 Jahre alt, geboren ist er 1493 oder 1494 in Einsiedeln in der Schweiz, er starb 1541 in Salzburg.

Seine Verteidigungsreden schrieb er 1538, also gegen Ende seines Lebens und seiner Werke, sie erschienen lange nach seinem Tode, erstmals 1564 im Druck in Köln.

Die Verteidigungsreden haben eine Vorrede und eine kurze „Beschlussrede“. Geschrieben sind sie in deutscher Sprache, der man oft noch anmerkt, dass Paracelsus lateinisch schreiben konnte und den deutschen Satz oft nach der lateinischen Syntax bildete. Seine Sprache ist deftig, gegenüber Gegnern oft unflätig im Schimpfen, aber so schrieb man damals, man muss nur an Luthers Sprache denken. Heute würde man sagen: Nicht fein, nicht gefällig, nicht „korrekt“.

 In seiner Vorrede erläutert er, dass wahre Medizin auf Hippokrates beruht und dass sie an ihren Werken zu erkennen ist, nicht an Wortgeklingel. Die wahre Heilkunst geht aus dem Geist der Natur hervor, ist leider unter die Pseudoärzte gefallen. Was aber in der Heilkunst nicht mit Werken erwiesen wird, gewinnt durch aggressives Reden auch nicht.    (sc. An ihren Werken sollt ihr sie erkennen ...). Seiner wirksamen medizinischen Lehre stellt sich also das Geschwätz der Sophisten entgegen. „So eine falsche Zunge hat auch nach mir gestochen.“ Doch solche Gegner bauen nicht auf den ersten Felsen der Heilkunst (sc. Du bist Petrus der Fels ...), sondern haben die Medizin auf ihr Küchenniveau herunter gezogen. Paracelsus schreibt die Verteidigungsreden, damit der Leser sich entscheiden kann. Die Vorrede stellt die Verteidigungsreden in einen medizingeschichtlichen Zusammenhang, dem Autor geht es um das spirituelle Wesen der Medizin.

In der ersten Verteidigungsrede bringt Paracelsus den Entwurf einer neuen Medizin. Die alten Theoretiker haben die Grundlagen und Krankheitsursachen ungenau und unrichtig beschrieben. Leider hat man seitdem jedes Weiterforschen unterlassen, dabei gibt es neue Krankheiten. Für das Gegenwärtige sollen wir sorgen und nicht für das Vergangene (Christus: Es ist genug, dass jeder Tag sein eigenes Joch trage. Der morgige Tag wird für das Seine sorgen.). Scharf kritisiert er die Ärzte, die ihm vorwerfen, er behandele Krankheiten, die sie unheilbar nennen, z.B. die Fallsucht (Epilepsie), den Schlaganfall, den Veitstanz (Chorea). Er zitiert Christi Wort: „Die Kranken bedürfen des Arztes“. Dann darf man diese Kranken nicht ausschließen. Da sie krank sind, bedürfen sie eines Arztes. Bedürfen sie aber des Arztes, darf man nicht sagen, ihnen sei nicht zu helfen. Allenfalls kann man sagen: Ich kann´s nicht und bin nicht fähig dazu. Man muss so lange suchen, bis man die Kunst findet, aus der die rechten Werke hervorgehen. Wenn Christus sagt: „Lass uns die Schriften erforschen.“, so fordert Paracelsus „Lass uns die Natur erforschen.“  So rechtfertigt er sich damit, dass er der gegenwärtigen Zeit entsprechend eine neue Medizin entwirft und diese vorstellt. Seine Folgerung aus dem ist, dass der Mensch, der den Menschenleib begreifen will, aus Gott und aus der Natur sein Wissen nehmen muss.

In der zweiten Verteidigungsrede schreibt er über die neuen Krankheiten und ihre neuen Bezeichnungen. Hier ist zu erinnern an sein Werk von 1531 „Von den unsichtbaren krankheiten und iren ursachen“, erschienen in St. Gallen. Neu bezeichnet er in dieser Rede Krankheiten, die noch nicht als pathologisch aufgefasst und deswegen nie erforscht wurden. Heute sprechen wir von psychischen Krankheiten. Paracelsus nennt Besessenheit, suicidale Gefährdung und Suicid, weiter den Veitstanz, neben „falschen Krankheiten“, die er durch Zauberei verursacht sieht. Bedeutend ist, dass er Selbstmord und Bestreben danach als Krankheit auffasst, wo dies doch damals und auch heute von der Kirche als Todsünde verfemt wird. Er versucht den Ursprung der Krankheit und den Heilweg zu erfahren und beides im Namen der Krankheit auszudrücken. Mit den alten Bezeichnungen kann er nichts anfangen, es sind nur Übernamen, und niemand weiß recht, ob man eine Krankheit mit so einem Namen richtig oder falsch benennt. Deshalb kann sich ein Arzt nicht mit Büchern zufrieden geben, die vor zweitausend Jahren geschrieben wurden. Es gibt neue Krankheiten. Mancher Bauer ohne ein Buch macht mehr Leute gesund als die Doktoren der Medizin in ihren roten Talaren.

Die dritte Verteidigungsrede befasst sich mit seinen neuen Rezepten und dem Vorwurf, er würde Gifte verabreichen. Hier weist er darauf hin, dass er den Naturstoff nach den Verfahren der Alchemie so zubereitet, dass dem Kranken dessen reinste Kraft, dessen heilendster Impuls direkt gereicht werden kann. Er verweist auf Christi Satz:“ Und wenn ihr gleich Gift trinkt, es wird euch nicht schaden.“ Für Paracelsus heißt das: Nicht zu viel und nicht zu wenig! Wer das rechte Maß trifft, nimmt kein Gift zu sich! Wo ist etwas, das kein Gift ist? Hier nun der berühmte Satz des Paracelsus, den auch Hahnemann übernahm: Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift. So ist es für ihn mit der Arznei – das wird aus ihr, was du daraus machst. Auch wenn ein Ding Gift ist – man kann es ins Nicht-Gift überführen. Paracelsus verweist auf die Gifte Quecksilber und Arsen, und dass diese in der richtigen Zubereitung dem Körper gut tun. Dreihundert Jahre später setzt Samuel Hahnemann mit seiner Homöopathie diese Arbeit fort. Er wählt die beiden genannten Gifte, auch die Tollkirsche (Belladonna) und viele weitere Substanzen. Diese werden durch Verarbeitung – Verdünnen, Verschütteln, Potenzieren – zu Heilmitteln für den menschlichen Körper und für seinen Gemütsbereich.

In der vierten Verteidigungsrede rechtfertigt er seine Landfahrerei. In seinem ganzen Leben war er nur in seiner Kindheit und Jugendzeit (erst in Einsiedeln, ab 1502 in Villach) sowie in den elf Monaten als Stadtarzt in Basel (1527/1528) sesshaft. Auf seinen Wanderungen stieg er in Bergwerke und suchte und prüfte Metalle. In seiner Verteidigungsrede nennt er die Landfahrerei seine Bestimmung, dienend seiner Naturforschung und Medizin: „Wenn ich das unterließe, wäre ich nicht der Theophrastus, der ich bin.“ Drastisch drückt er aus, dass man den Lehrer nicht hinter dem Ofen findet. Wie soll man hinter dem Ofen ein guter Geograph werden? Er wandert, weil die Krankheiten dahin und dorthin wandern. Will einer viele Krankheiten kennen lernen, muss er viel wandern. Kommt eine solche fremde Krankheit in sein Vaterland, dann kennt er sie. Doch die von ihm abgelehnten Pseudoärzte bleiben hinter dem Ofen hocken und setzen sich mitten unter ihre Bücher – die Fahrt im Narrenschiff! Der Arzt muss also ein Naturforscher sein und die Dinge dort aufsuchen, wo sie sind. Was hier Paracelsus propagiert, ist modern, auch im                         20. Jahrhundert. 1927 schreibt Ita Wegmann, dass Rudolf Steiner ähnliches forderte: Für den einzelnen Menschen sei es wichtig hinauszugehen und die Außenwelt kennen zu lernen, Wanderungen und große Reisen zu unternehmen, um die Mannigfaltigkeiten der Welt zu erfahren, die Gegenden des Feucht-Kalten gegenüber dem Heiß-Trockenen kontrastierend zu empfinden, sowie alles, was dazwischen liegt. Laut Steiner ist dies unterbunden worden durch die mittelalterliche Zeit mit dem klösterlichen Leben, das mehr an die Scholle gebunden war. Er fährt fort: Natürlich ist richtiges Erkennen der äußeren Welt nicht nur durch Wandern und Reisen zu erreichen, sondern auch durch ein inniges, liebevolles Sich-Versenken in die Geheimnisse der Natur, aber wichtig ist das Bekanntwerden mit fremden Ländern und Sitten. 

Die fünfte Verteidigungsrede ist ein emotionaler Ausbruch gegen die Pseudoärzte, die nichts können und nur darauf aus sind, Reichtum anzuhäufen. Die Welt will eben betrogen werden. Für Paracelsus ist der Kranke jedoch der Acker, in dem der Schatz begraben ist, der Kranke ist die kostbare Perle. Zweierlei Ärzte gibt es – solche, die aus der Liebe zum Nächsten handeln, und solche, die aus Eigennutz handeln. Letztere ernten, wo sie nicht gesät haben, sie sind ,wie reissende Wölfe, darauf aus, ihren Gewinn zu vermehren, uneingedenk des Gebotes zu lieben. Paracelsus: Und weil man alle Pferde mit einem Sattel reiten will und die Krankheit nicht in ihrem Wesen erkennt, sondern was jedem gerade in den Kopf kommt, als seine „Kunst“ gilt, wird weder Erfahrung gesammelt noch Wahrheit ergründet. Doch: Die Medizin ist eine Kunst, die mit großer Gewissenhaftigkeit und viel Erfahrung ausgeübt werden soll – und mit großer Gottesfurcht.

In der sechsten Verteidigungsrede gibt er sein eigensinniges Verhalten und seine zornige Art zu, rechtfertigt sie aber. Er sei eben nicht mit weichen Kleidern in Frauengemächern aufgewachsen, sondern zwischen Tannenzapfen. Er sei nicht mit Feigen, Honigwein und Weizenbrot aufgezogen worden, sondern mit Käse, Milch und Haferbrot. Doch dann erläutert er an Beispielen, wann er meint, zu recht eigensinnig und zornig sein zu dürfen. So wenn seine Patienten seine Anordnungen nicht peinlich genau befolgen. So wenn seine Gehilfen hinter seinem Rücken Patienten behandeln und behaupten, sie könnten es genauso gut wie er. So wenn Apotheker unzufrieden sind, weil er nur kurze Rezepte schreibt. Doch er sagt: Warum soll ich wie andere Rezepte mit 40 bis 60 Zutaten schreiben, nur um dem Apotheker die Säcke leer zu machen? Besonderen Zorn erregt das Quid pro Quo der Apotheker. Damit schlägt sich auch dreihundert Jahre Samuel Hahnemann herum. Der Apotheker, der das verschriebene Arzneimittel nicht vorrätig hat, gibt einfach ein anderes, von dem er meint, es könne so wirken wie das verschriebene.  Paracelsus: Da ginge es meinen Kranken elend, manche würden sterben! Doch Menschenkenntnis kann man Paracelsus nicht zuschreiben. So wenn er schreibt, der Henker habe ihm gnadenhalber 21 Knechte abgenommen und sie von dieser Welt befreit. Immerhin hat Paracelsus die doch angenommen und um sich gehabt, ohne etwas schlechtes an ihnen zu bemerken!

In der siebten Verteidigungsrede spricht er über die Grenzen seiner Heilkunst. Er, der selbst rachitisch verkrümmt und bucklig war, bringt das Beispiel eines solchen Menschen und sagt: Wem Gott nichts Gutes tun will, was soll ihm dann die Natur Gutes tun? Wo sich beider Gunst nicht einstellt, was vermag da der Arzt? Hier meint Paracelsus natürlich die körperliche Missbildung, nicht die Seelenpersönlichkeit dieses Behinderten. Nun antwortet er auf den Vorwurf, der ihm gemacht wird: Wenn er zu einem Kranken gehe, wisse er nicht augenblicklich, was ihm fehle, sondern brauche Zeit es herauszufinden. Doch zeigten die, welche sofort eine Diagnose stellten, damit nur ihre Dummheit. Gerade bei inneren Krankheiten ist es, als sei ein Vorhang davor, da braucht man einen längeren Atem. Wie ein Bergmann neues Erz entdecke und prüfe und untersuche, so müsse der Arzt vorsichtig vorgehen, um nichts zu verderben. Doch die Pseudoärzte machten nicht eigene Versuche, sondern beließen es bei angelesenen Proben und Versuchen. Darum sind viele ihrer Patienten auf dem Friedhof, bevor sich die Erfahrung einstelle. Doch er bekennt, dass er nicht alles kann. „Dass ich das Unmögliche nicht heilen kann, warum haut ihr mir das um die Ohren, wenn ihr das Mögliche nicht heilen könnt?“ Wenn er bei hoffnungslosen Krankheiten nichts ausrichten könne, so sei doch dafür keine Arznei geschaffen oder ihm gegeben. Mit ihrem Quid pro Quo würden seine Gegner ihre Kranken verpfuschen. Aber auch er leide unter dem Quid pro Quo der Apotheker: Wer kann mit gepanschter Arznei das bewirken, wozu nur die wahre Arznei imstande ist? Zum Schluss dieser Rede sagt er, es sei notwendig gewesen sich zu rechtfertigen. Denn antworte man der bösen Nachrede nicht, dann scheint es, als hätte und bekäme sie recht. „Das würde zu noch mehr Verirrung führen, zu Schaden, Unheil, Irreführung.“  Er redet den Leser direkt an; dieser solle alle diese Dinge gerecht abwägen und durchdenken.

In seiner kurzen Beschlussrede meint er erstaunlicherweise, er habe seine Rechtfertigungsreden „mit größter Milde“ verfasst. Nun ja, so ändern sich die Zeiten. Er verweist jedoch auf die Heilige Schrift, wonach man die Heilkunst schätzen und den Arzt ehren solle. Dies sei jedoch im Hinblick auf Hippokrates gesagt worden, nicht auf die Pseudoärzte, die die Natur als ihren Feind erkenne, wie der Hund den Hundeschinder erkennt. Aus den früheren Schriften der wahren Ärzte könne man jedoch lernen, dass es auf Erden um Mühe und Arbeit geht. So ist auch die Arbeit des wahren Arztes mühsam, aber eine Gabe und ein Geschenk.

Eine verdienstvolle Übertragung der Verteidigungsreden samt einer Einführung verdanken wir heutzutage Gunhild Pörksen (Schwabe & Co AG, Basel 2003). Sie fügt ein Reprint des Ausgabe der Septem Defensiones Basel 1589 bei. Sie verweist darauf, dass wir wichtige biographische Angaben über Paracelsus seinen Verteidigungsreden verdanken. Auffallend sei, dass seine Mutter nie auftauche, wohl deswegen, weil sie so früh starb, dass er keine Erinnerung an sie hatte. Mehrfach in seinen Schriften, so 1534 in der Vorrede zum Buch „Große Wundarznei“, erwähnt er seinen Vater:“ Mein vater, Wilhelmus von Hohenheim, der mich nie verlassen hat ....“. Diese Dankworte und ihre Wiederholung weisen für Paracelsus auch auf den himmlischen Vater hin, dem er sich verpflichtet fühlt.

 

© 2008  Gabriele Schöttler Heilpraktikerin

 

 

                          Geriatrie und Homöopathie

 

 

Bei geriatrischen Patienten sehen wir häufig den Endzustand einer individuellen Biographie, die von verschiedenen Erkrankungen gekennzeichnet ist. Wir treffen auf schwere Organpathologien und auf Multimorbidität. Wir finden schwere Einschränkungen der Mobilität und der Autonomie. Es handelt sich oft um chronische Erkrankungen, die auch konventionell („schulmedizinisch“) nicht vernünftig therapierbar sind, dem Arzt fehlen therapeutische Alternativen.

Häufige geriatrische Probleme sind z.B. Demenz und Inkontinenz, weiter Mobilitätsstörungen, Sturzgefahr, Koronare Herz-Krankheiten sowie Morbus Parkinson und Zustand nach Schlaganfall.

Ein großes Problem stellt die Multimedikamentation mit unerwünschten Arzneiwirkungen dar.

Das wichtigste Ziel der homöopathischen Therapie besteht in der Anregung der Selbstheilung. Das Selbstheilungspotential ist eingeschränkt bei schweren Organpathologien, so dass man sich oft mit einer Linderung akuter und chronischer Krankheiten zufrieden geben muss, wobei die Steigerung der Lebensqualität und des Wohlbefindens des alten Menschen schon ein beachtlicher Wert ist. Ziel ist es, die Autonomie und die Gesundheitskompetenz des Patienten zu stärken und nebenwirkungsreiche Medikamente einzusparen.

 

Geriatrische Patienten, ob im Krankenhaus, im Pflegeheim oder in häuslicher Pflege nehmen oft täglich 15 bis 18 verschiedene Medikamente, verschrieben von verschiedenen Ärzten, die teilweise nichts voneinander wissen. So weiß der eine Arzt z.B. nicht, wenn der andere Arzt ein Medikament abgesetzt hat und ein neues verordnet hat.

Der Arzt Michael Teut berichtet aus der Charite in Berlin, dass er bei seinen Patienten die Gesamtzahl der verschiedenen Medikamente auf drei bis fünf reduziert hat und allein schon dadurch eine Besserung des Gesundheitszustandes und Wohlbefindens erreicht hat. Auch legt er Wert auf nichtarzneiliche Therapiemöglichkeiten (Bewegungstherapie, Physiotherapie, Schlafhygiene, Ernährung und Trinken und psychosoziales Wohlbefinden).                                 Die im Alter gefürchtete Sturzgefahr reduziert sich bei genügender körperlicher Bewegung. Zum einen, weil die Muskeln und der Gleichgewichtssinn trainiert und beansprucht werden, zum anderen, weil durch die Bewegung ein Vertrauen in den eigenen Körper und seine Funktionen wächst. Manche Stürze, im Heim oder zu Hause, gibt es, weil der alte Mensch Angst vor dem Sturz hat und ohne Vertrauen in seinen Körper und seine Fähigkeiten ist.

Die Einnahme beruhigender oder Schlaf fördernder Medikamente sowie allgemein die Einnahme sehr vieler Medikamente tragen zum erhöhten Sturzrisiko bei.

 

Die Homöopathie spielt heute in der Akutversorgung in Krankenhäusern fast keine Rolle. Sie beschränkt sich im wesentlichen auf die Krankenversorgung im ambulanten Bereich durch Ärzte und Heilpraktiker. Bei schweren Pathologien wird homöopathisch begleitend zur konventionelle Therapie behandelt, mit Einzelmitteln nach der klassischen Homöopathie oder mit Komplexmitteln aus der anthroposophisch erweiterten Medizin.

Homöopathische Verschreibungen erfolgen im Bereich der Geriatrie oft bei neurologischen oder kardiologischen Problemen. Zu beachten ist, dass dem Schlaganfall meist eine kardiologische Erkrankung vorangeht, die auch begleitend zu behandeln ist.

Im Behandlungsspektrum der Homöopathie in der Geriatrie liegen Erkrankungen wie Schlaganfall, Morbus Parkinson, Demenzerkrankungen  oder koronare Herzkrankheit, die auch konventionell schwierig zu behandeln sind.

Häufig ist die Homöopathie die „letzte Wahl“, wenn keine „schulmedizinischen Alternativen“ mehr bestehen, der Patient, wie das unfreundliche Wort es ausdrückt, „austherapiert“ ist.

Der Homöopath findet den geriatrischen Patienten bereits mit einer Vielzahl von Medikamenten belegt. Ziel der homöopathischen Therapie ist es hier, durch die komplementäre Gabe homöopathischer Arzneimittel positiv auf die pathologischen Grundprozesse einzuwirken, um eine Heilungsreaktion in Gang zu setzen oder zumindest die symptomatische Linderung zu erreichen, in jedem Fall aber eine Verbesserung der Lebensqualität und eine Reduktion nebenwirkungsreicher konventioneller Arzneimittel zu erreichen.

 

Ein Beispiel für die Gabe eines homöopathischen Mittels: Bei Schwindel und Gangstörungen kann eine wesentliche Besserung mit Conium maculatum erzielt werden, dem gefleckten Schierling. Die Pflanze wächst bevorzugt in feuchter Umgebung auf stickstoffreichem Boden an Zäunen, Mauern und Hecken, sie wird bis 2,5 Meter hoch.

Sie ist eine für Säugetiere stark giftige Pflanze und wurde schon im Altertum von Menschen gezielt wegen seiner Gift- und Heilwirkungen verwendet. Platon schildert im „Phaidon“ die Hinrichtung des Sokrates mit dem Schierlingsbecher.

Conium maculatum wurde erstmals von Samuel Hahnemann geprüft. Es findet sich sowohl in seinem Werk „ Reine Arzneimittellehre“ als auch in seinem Buch „Chronische Krankheiten“. Conium ist in der Homöopathie besonders durch die Wirkungsbeziehungen zu Schwindel und Lähmungen bekannt. Der Homöopath wählt eine für den Patienten passende Potenz des Mittels aus. Schwindel und die Lähmungen im Gang bessern sich in vielen Fällen. Wenn auch der Schwindel weg ist, ist das Gehen manchmal nur mit dem Rollator oder dem Gehstock möglich, dennoch für den vorher unbeweglichen Patienten ein Gewinn an Lebensqualität.

 

Komplementär behandelt der Homöopath Schlaganfall-Patienten (Apoplex-Patienten).

Der Schlaganfall ist die häufigste neurologische Erkrankung in Deutschland, er steht auf Platz drei  der Todesursachen. Er ist der häufigste Grund für eine lebenslange Behinderung im Erwachsenenalter und führt oft zu Pflegebedürftigkeit. Der Patient ist auf fremde Hilfe angewiesen, er erhält sie in einem Pflegeheim oder zu Hause durch einen ambulanten Pflegedienst. In 80% der Fälle liegt ein Hirninfarkt vor, in 20% der Fälle eine Blutung im Gehirn.

Die homöopathische Behandlung wird meist zusätzlich (komplementär) zur konventionellen Therapie angewandt, der Patient profitiert von der Kombination beider Therapieansätze.

Die Homöopathie verlangt die Einzelmitteltherapie. Homöopathische Schlaganfallarzneien samt ausführlicher Fallsammlung bringen Michael Teut  und Johannes Wilkens in ihrem Werk „Homöopathische Schlaganfalltherapie“ (Hippokrates Verlag, Stuttgart, 2006).

Ein anthroposophisches Behandlungskonzept, das die Verwendung von potenzierten Schlangengiften oder Naja compositum plus Arnica, Ledum oder Tabacum umfasst, bringen Johannes Wilkens et al. in dem Aufsatz „Vergleichende Untersuchung zur Behandlung des Schlaganfalls mit homöopathischen und anthroposophischen Arzneimitteln in einer Reha-Klinik“, abgedruckt in Erfahrungsheilkunde 2002; 51: 397-404.

Der homöopathische Therapieansatz ist dreistufig, hat für jede Stufe verschiedene Arzneigaben: Akutes Stadium 1 (Blutungsstop), Stadium 2 (Auflösung der Gerinnsel) und Stufe 3 (Vorbeugung und Nachbehandlung).

Zu beachten ist, dass es zwei Patiententypen gibt: Die, welche lange Zeit ein symptomatisch stabiles und homogenes Krankheitsbild aufweisen (kohärente Fälle) und andere, bei denen die Krankheitszustände – und damit die Arzneimittel – häufiger wechseln (inkohärente Fälle).

Welches Arzneimittel der Homöopath in dem jeweiligen Stadium wählt, ergibt sich aus der Anamnese. Die Mittel sind sehr speziell, so etwa verschieden für linksseitige oder rechtsseitige Lähmungen.

Dieser Überblick zeigt nicht nur die Arbeit des Homöopathen zum Thema Geriatrie in seiner Praxis, sondern zeigt auch Möglichkeiten zur homöopathischen Behandlung der Patienten in einem ambulanten Pflegedienst. Hier ist natürlich abzustimmen, ob der Patient und seine Angehörigen dies akzeptieren und ob der behandelnde Arzt eine solche homöopathische Mitbehandlung erlaubt.

 

 

 

© 2008  Gabriele Schöttler  Heilpraktikerin

 

 


 
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