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Warum Homöopathie ?                                                       

Teil I.                                                                                                                                     Ganzheitliche Behandlung des Menschen und seiner Krankheit – davon hat man schon gehört. Das ist akzeptiert: Schließlich soll nicht nur das kranke Organ behandelt werden, sondern der ganze Mensch. Seine Lebenskraft ist gestört oder eingeschränkt. Dort muss geheilt werden, angesetzt werden, dann folgt daraus auch die Heilung des kranken Organs.

Doch was macht sonst noch die Homöopathie aus? Sind es nur das Ähnlichkeitsprinzip und die hohen Verdünnungen? Sicher, beides kennt der Homöopath. Der Entdecker der Homöopathie, Samuel Hahnemann, fand durch Zufall heraus, dass die Chinarinde, ein bekanntes Medikament gegen Malaria, beim gesunden Menschen die Symptome der Malaria hervorruft. Das Ähnlichkeitsprinzip (similia similibus curentur) besagt also: Ähnliches wird durch Ähnliches geheilt. Der Homöopath stellt also im ersten Schritt (Befragung des Patienten, sog. Anamnese) möglichst genau die Symptome fest, bis in die kleinsten Details. Im zweiten Schritt sucht er ein Arzneimittel, welches beim Gesunden die Symptome des Kranken hervorruft. Dieses Mittel gibt er dem Patienten, und zwar in verdünnter Form. Dies aus zwei Gründen: Hahnemann fand heraus, dass ein unverdünntes Mittel oft eine starke Erstverschlimmerung der Krankheit hervorruft. Diese Erstverschlimmerung ist schwächer bei einem stärker verdünnten Mittel. Dennoch mag der Homöopath die Erstverschlimmerung nicht missen – ist sie doch das Zeichen, dass er das richtige Mittel gefunden hat. Zum zweiten fand Hahnemann jedoch heraus, dass die Mittel besser wirken, wenn sie stärker verdünnt und verschüttelt werden. Er nennt dies deswegen auch nicht Verdünnung, sondern Potenzierung. Im schlichten Alltagsdenken glaubt der Mensch, wenn etwas so stark verdünnt ist, dass kein Molekül der Ursprungssubstanz mehr nachweisbar ist, es handele sich nur noch um einen Placebo-Effekt (Einbildung), wenn eine Heilung erfolgt. Er verkennt in seinem schlichten Denken aber, dass mit dem Verdünnen und Verschütteln der Ursprungssubstanz Schwingungen, nämlich die Information der Substanz, übertragen werden, also gerade das Wichtigste der Ursprungssubstanz. Je stärker ein Mittel verdünnt und verschüttelt ist, so mehr wirkt es auf die geistige Beschaffenheit des Menschen, die Ursache seiner Erkrankung. Eine geringe Potenzierung wirkt auf die körperliche Ebene. So wirkt schließlich die unverdünnte Auspressung der Arnika bei Verletzungen der Haut, sie wird eingerieben.

Entscheidend für den Homöopathen ist nach den bisher genannten – wichtigen – Schritten aber die Frage: Warum wird dieser konkrete Mensch krank? Warum bekommt er gerade diese Krankheit? Diese Frage betrifft den kranken Menschen als Persönlichkeit, als Einheit von Körper, Geist, Seele. Es handelt sich um eine philosophische Frage. Auf diese hat jeder Mensch seine Antwort zu suchen. Der amerikanische Homöopath H.C. Allen schreibt hierzu:

„ Hinter der Symptomatik einer jeden Krankheit finden wir die Symptomatik des übertretenen Gesetzes.“ Hierbei mag der eine an ein religiöses Gesetz denken und sein Leiden als Folge des übertretenen Gesetzes sehen. Der andere sieht das Gesetz der Höherentwicklung der Menschheit und erkennt sein Leiden als Folge seines Verstoßes hiergegen (Verstoß gegen die Pflicht zur tätigen Mitwirkung eines jeden Menschen an der Entwicklung der Menschheit als ganze).

 

 Teil II                                                                                                                                       

 

Die Homöopathie gibt es schon lange, sie hat unbestreitbar Erfolge vorzuweisen. Dennoch gilt sie auch heute noch als Außenseitermedizin. Warum?

Vorgeworfen werden der Homöopathie vor allem die starken Verdünnungen ihrer Arzneien: Da sei doch überhaupt kein Molekül der Ursprungssubstanz mehr drin, drum sei diese Medizin ein Humbug.

Hahnemann war zwar Zeitgenosse des italienischen Physikers und Chemikers  Amadeo Avogadro, kannte aber dessen Schriften zur Physik und das schon von diesem 1811 aufgestellte Gesetz nicht. Hätte Hahnemann die Avogadrosche Zahl gekannt, wäre er wahrscheinlich zu folgender Schlussfolgerung gelangt: Wenn bei einer Arzneimittelprüfung eine Dosierung jenseits der Avogadroschen Zahl verwendet wird, dann sind die dabei beobachtbaren Symptome nicht mehr Ausdruck einer Intoxikation (Vergiftung), sondern die Folge der Idiosynkrasie (Überempfindlichkeit) des Individuums, dessen Lebenskraft auf die spezifische Energie der geprüften Substanz mittels ihrer störenden Einwirkung empfänglich ist.

Bereits in § 270 des Organon, seines wichtigsten Werkes, beschreibt Hahnemann, dass sich durch eine progressive Dynamisierung jede Substanz verändert und dadurch erst die volle Wirkfähigkeit erlangt, also eine Metamorphose durchmacht. Das heißt: Ab einem bestimmten Moment der Dynamisierung wird mit etwas anderem gearbeitet als damit, womit man zu Beginn gearbeitet hat. Man arbeitet dann mit einer Energie des Heilmittels, die immateriell und unsichtbar ist. So beschreibt es auch der argentinische Homöopath Alfonso Masi-Elizalde. Hahnemann kam zu dieser Erkenntnis durch genaue Beobachtungen bei seinen Experimenten. ; hier zeigten sich eindeutige Unterschiede zwischen Arzneimittelprüfungen mit Materie enthaltenden Potenzen und Prüfungen mit Potenzen, die keine Materie mehr enthielten.

Noch etwas wird der Homöopathie vorgeworfen: Es gebe zwar Heilungen dank der Arbeit des Homöopathen, aber diese seien Erfolge des Placebo-Effekt, beruhten also auf einer Einbildung des Patienten. Ebenso gibt es einen Nocebo-Effekt. Gewöhnlich sagt der Homöopath einem Patienten, bevor er ihm ein Mittel gibt: Es kann sein, dass sie sich etwas weniger wohlfühlen, das ist eine Erstverschlimmerung, was ein gutes Zeichen ist. So wird dem Patienten induziert sich weniger wohl zu fühlen, und das Ergebnis berichtet er beim nächsten Besuch. Nun, es gibt Verbesserungen oder Erstverschlimmerungen, die auf den genannten Effekten beruhen. Ist das denn ungewöhnlich?  Ein Patient kommt zum Homöopathen, nachdem er die Hoffnung auf die sog. Schulmedizin aufgegeben hat. Er ist austherapiert im Sinne dieser Medizin: Alles hat der Arzt versucht, ohne Erfolg. Dann erlebt der Patient, dass sich jemand für ihn interessiert, ihn ernst nimmt als Menschen. In der Anamnese befragt der Homöopath den Patienten bis zu zwei Stunden lang, notiert sich seine körperlichen Symptome, aber auch wie der Mensch sich fühlt, wovor er Angst hat usw. Das hat der Patient noch nicht erlebt, er fühlt sich ernst genommen als Mensch, als körperliches und geistig-seelisches Wesen. Diese Zuwendung bringt schon einen ersten Heilungserfolg, unabhängig vom Mittel, das verschrieben wird. Verstehen kann man das, denn der Patient kommt von der Schulmedizin, die manchmal als Fünf-Minuten-Medizin bezeichnet wird. Sie interessiert sich für die Leber oder Niere des Patienten, aber nicht für den ganzen Menschen. Der bleibt draußen, es heißt: Mund halten, und ab zur Tomographie. Statt letzterer kann es auch die Blutuntersuchung sein, damit endlich die Laborwerte vorliegen.

Aber alles kann nicht Placebo-Effekt sein. Unbestreitbar gibt es Fälle, in denen die Homöopathie zu einer vollständigen Heilung des Patienten führt, bis zu einer Umstellung seiner existentiellen Einstellung zum Leben. Homöopathische Mittel werden mit gutem Erfolg bei kleinen Kindern angewendet, ebenso bei Tieren, seien es Haustiere oder Nutztiere. Hier gibt es den Placebo-Effekt nicht, ebenso wenig den Nocebo-Effekt.

Nun, worum geht es denn dann der Homöopathie? Was ist ihr Begriff von Gesundheit, von Krankheit, von Heilung? Bezieht sie auch das Unbewusste des Patienten ein, oder behandelt sie nur die Symptome? Wie tief muss die Heilung gehen, damit man von einer vollständigen Heilung sprechen kann, und nicht von einem Verschwinden der Symptome, die woanders im Körper in anderer Form wieder auftreten? Im letzteren Fall hat der Homöopath als Arzneimittel ein

„Simile“ (etwas Ähnliches) gefunden und angewendet. Im Fall der vollständigen Heilung hat er das „Simillimum“ (das identisch Ähnliche) gefunden und angewendet, also das Arzneimittel, dass bis in die Tiefe wirkt, die Existenz des Menschen heil macht. Nach einem Simillimum sind die Symptome wirklich weg, die Krankheit ist verschwunden, weil die Symptome für diesen Organismus nicht mehr notwendig sind. Der Homöopath verschrieb für ein bestimmtes Krankheitsbild, und stellte manchmal überrascht fest, dass nicht nur das Krankheitsbild geheilt wurde, sondern dass der Kranke einen Wechsel in seiner existentiellen Haltung durchmachte. Das war ein therapeutisches Ziel, mit keiner bislang gekannten Therapie erreichbar (Masi-Elizalde).

In der Therapie gab es neue Schritte. Hahnemann individualisierte die verschiedenen Kranken, die das gleiche Krankheitsbild hatten, z.B. Pneumonie (Lungenentzündung). Hahnemanns große Entdeckung war, dass es eine differenzierte Therapie nach klinischen Gesichtspunkten gab. Für den Schulmediziner ist die Pneumonie eine Krankheit, die behandelt wird, ganz gleich, welcher konkrete Mensch sie hat.

Und der Begriff der Gesundheit? Hahnemann sieht die Gesundheit als Instrument, um ein transzendentes Ziel zu erreichen.

Gesundheit ist die Eurythmie der Lebenskraft, die alle Teile des Körpers in bestem Zustand erhält. Die Krankheit ist die Dysrythmie. Die Wirkung des Simillimums wäre, die Dysrythmie wieder zur Eurythmie zurückzuführen. (Die Wirkung eines Simile besteht darin, dass eine Dysrythmie ersetzt wird durch eine andere Dysrythmie, logischerweise mit entsprechenden anderen Symptomen.)

Krankheiten sind für Hahnemann nichts anderes als Folgen unseres geistigen Lebens. Unser geistiges Leben, unsere Art zu denken, zu leben und zu wirken, führt zu diesen Änderungen, das heißt, zuerst zu immateriell dynamischen Änderungen unseres Lebens, dann zu den physisch wahrnehmbaren Krankheitsäußerungen.

 

 

 

Teil III                                                                                                                                     

Die Homöopathie hat ihren Sinn und ihre Erfolge, sie ist eine Wissenschaft, aber keine Sektiererei. Auch die sog. Schulmedizin hat ihren Sinn und ihre Erfolge.

So weist der deutsche Homöopath Josef M. Schmidt darauf hin, dass die Homöopathie eine Form der Arzneitherapie ist. Außerhalb des Anwendungsgebietes der Homöopathie liegen die gesamte medizinische Diagnostik, sämtliche chirurgischen Disziplinen einschließlich der Anästhesie, die Hygiene, die Sozialmedizin, die Diätetik, die physikalische Medizin, die Psychotherapie ua.

Die Arzneitherapie lässt sich nach drei Gruppen ordnen.

Es gibt die Substitutionstherapie, wo mangelnde Stoffe zugeführt werden, zB Vitamine, Mineralien, Hormone, Gerinnungsfaktoren ua.

Es gibt Suppressionstherapien, wo Schmerzen oder krankhafte Reaktionen unterdrückt werden, zB mit Schmerzmitteln, Cortisonpräparaten, Beta-Blockern ua.

Schließlich gibt es die Regulationstherapien, das heißt gezielte Beeinflussung der Lebenskräfte. Hier werden tief sitzende Verstimmungen im gesamten Organismus beseitigt.

Josef M. Schmidt macht deutlich: Aufgrund der äußerst kleinen Arzneidosen kann die Homöopathie weder Substitutionstherapie noch Suppressionstherapie sein, sondern ausschließlich Regulationstherapie.

Vor jeder Behandlung hat grundsätzlich eine genaue Diagnose zu stehen. Ist für eine Krankheit eine kausale Arzneitherapie bekannt, wie bei einigen Infektionskrankheiten (etwa Hepatitis), hat diese grundsätzlich Vorrang. Dasselbe gilt für lebensrettende bzw. nachweislich die Lebensqualität erhöhende Maßnahmen der konservativen Medizin, etwa die Behandlung des Schocks oder die Behandlung von Diabetikern.

Eine homöopathische Behandlung bietet sich an in den zahlreichen Fällen, in denen derzeit keine kausale Pharmakotherapie, sondern lediglich die palliative (lindernde) Eindämmung von Schmerzen bzw. fehlgeleiteten Reaktionen des Organismus möglich ist. Wo die Schulmedizin nicht weiter weiß, als palliativ zu behandeln, da beginnt die Arbeit des Homöopathen an der Ursache der Krankheit und am kranken Menschen, um dessen Lebenskraft wieder ins Fließen zu bringen. Erfolg hat die Homöopathie also bei  Funktionsstörungen im weitesten Sinne. Ihre Grenze hat die Homöopathie bei irreversiblen morphologischen Veränderungen. Ist zum Beispiel Lebergewebe unwiderruflich zerstört, kann auch die Regulationstherapie nichts mehr bewirken.

Müssen auf Grund der Schwere des Krankheitsbildes (zB Rheumatiker oder Hochdruckpatienten) konventionelle  Arzneimittel gegeben werden, kann der Patient homöopathisch mitbehandelt werden. So lässt sich häufig die Dosis der benötigten Medikamente reduzieren, was wegen deren Nebenwirkungen einen Erfolg bedeutet.

Vorraussetzungen einer homöopathischen Behandlung sind:

  1. genaue Kenntnis sämtlicher Krankheitssymptome des Patienten, die durch eine genaue, individuelle Anamnese erlangt wird;
  2. Kenntnis der Wirkungen der Arzneimittel, die durch Arzneimittelprüfungen an Gesunden erlangt werden;
  3. Kenntnis der Anwendungsprinzipien von Arzneien in Krankheitszuständen, also die Verknüpfung der unter 1. und 2. erhobenen Daten. Hier geht die Homöopathie nach dem Simile-Prinzip vor und gibt kleinste Gaben des ausgewählten Medikaments.

Vor Beginn der homöopathischen Behandlung sollten die bisherigen Medikamente soweit wie irgend möglich abgesetzt werden, um ein klares Bild der eigentlichen Krankheitssymptome des Patienten zu bekommen. Die Erforschung der Krankheitssymptome sollte bis in die kleinsten Einzelheiten gehen. Samuel Hahnemann war einer der ersten Ärzte, die eine schriftliche Anamnese gefordert haben.

Homöopathische Arzneiheilungen sind durch die Verwendung von vielen tausend  Arzneisubstanzen möglich, also grundsätzlich durch jedes Mittel, das an Gesunden auf seine Symptome hin geprüft ist. Diese Arzneimittel lassen sich – auch wenn sie noch so stark wirken – unendlich weit verdünnen und potenzieren. Ihre Wirkung verschwindet nach der Heilung der Krankheit von selbst, da die Wirkungsdauer eines Medikaments ja begrenzt ist.

Es gibt den Einwand, Homöopathie sei lediglich symptomatische Therapie, die die eigentliche Ursache der Krankheit ungeheilt lasse. Hiergegen postulierte Hahnemann die Einheit von Innerem und Äußerem. Er lehnte sich an Schellings Identitätsphilosophie an, wonach Geist und Natur im Grunde identisch seien. Hahnemann betonte die unteilbare Einheit von materiellem Organismus und der ihn belebenden geistartigen Lebenskraft.. Nach Hahnemann bilden die Verstimmung der Lebenskraft und die Gesamtheit der Symptome ein Ganzes, eine Einheit und „sind eins und dasselbe“ (§ 15 des Organon).

 

                  

              Teil  IV                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    

 

In den bisherigen Kapiteln ging es um die Frage, was Gesundheit und Krankheit eigentlich sind. Mein bisheriges Ergebnis: Jeder Mensch besitzt eine Lebensthematik, die seine Wahrnehmung, sein Erleben und sein Streben bestimmt. Seine besonderen Eigenschaften und Neigungen ergeben sich daraus. Fehlt dem Menschen die Transzendenz – hier geht es um die Sinnfrage des Lebens, die immer auch eine metaphysische Frage ist – so tritt existentielle Angst auf. Diese Angst führt zu einer Verzerrung der Wahrnehmung seiner selbst, seiner Umwelt und seiner Mitmenschen. Die eben genannte Lebensthematik des Menschen prägt ihn im gesunden und im kranken Zustand. Mit der existentiellen Angst und der Lebensthematik eines Menschen sind grundlegende Bedingungen des Krankseins angesprochen. Streng logisch ist damit jedoch nicht die Ursache der Krankheit erklärt. Das ist nach Hahnemann auch nicht möglich, denn Krankheiten gehören seiner Ansicht nach zu den unauflösbaren Rätseln des Menschen.

Hahnemann fragt in § 3 seines Organon, was das Heilenswerte am Menschen ist. Hier geht es um die Heilung der tiefsitzenden Angst, durch die die Wirklichkeit verzerrt wahrgenommen wird. Der Mensch ist geheilt, wenn seine subjektiven, imaginären, illusionären Vorstellungen wieder beruhigt sind, so der deutsche Homöopath Stefan Preis. Es geht um die Heilung des Unbewussten im Menschen, von dem jede körperliche und psychische Erkrankung ausgeht.

Von einer anderen Seite beschrieben heißt das: Der Mensch kann in seinem Seelischen nicht alles, nicht das Umfassende erfahren, sondern jeweils nur Aspekte der gesamten Wirklichkeit. Diese Erlebnisweise des Daseins macht die Thematik des Menschen aus, die über sein ganzes Leben konstant erhalten bleibt. Im gesunden Zustand macht das einen wichtigen Teil seines Lebens aus, es trägt bei zu seinen Aufgaben, die er sich selber stellt, seinen Zielen, seinem Lebenssinn. Die Gesundung geht immer von der positiven Erfüllung der Existenz aus. Das bedeutet, dass der Mensch seine Aufgabe sich zu vervollkommnen annehmen kann, weil er sich in der Welt geborgen fühlt. Diese Geborgenheit in der Welt fehlt vielen Menschen im Angesicht von Krieg und den besonders in Deutschland noch immer schwarz nachwirkenden Untaten der Naziverbrecher. Dennoch ist eine Geborgenheit in der Welt möglich, wenn der Mensch sich auf  seinen eigenen göttlichen Ursprung besinnt, der die Würde des Menschen ausmacht. Fehlt diese Rückbindung, kommt die Krankheit in Gang, tritt eine existentielle Angst auf. Die Bewegung des Menschen in Richtung des Strebens nach Vervollkommnung, also Handlungen, die die Würde des Menschen wegen dessen göttlichen Ursprungs zum Ziel haben, bringt die Gesundung voran.

Was heißt dies für die praktische Arbeit des Homöopathen? Schon in der Anamnese wird er die körperlichen Symptome genauso detailliert abfragen wie die Ängste des Patienten. In der Zusammenschau findet er das Arzneimittel, das zunächst den akuten Zustand bessert, später aber das Arzneimittel, das in die geistigen Bereiche des Patienten wirkt. Dem Homöopathen bleibt bewusst, dass das körperliche Symptom, unter dem der Patient auch noch so leiden mag, schließlich nur der Hilferuf ist der Lebenskraft des Patienten, der Ruf um Heilung vom Grunde her, von der Existenz her. Dem Homöopathen sind sogar Fälle bekannt - und das sind keine schlechten sondern erfolgreiche - bei denen das körperliche Symptom sich nach der Einnahme des Arzneimittels verschlechtert, die Patienten aber psychisch Auftrieb bekommen, etwas von dem oben genannten Geborgenheitsgefühl in der Welt spüren. Der Patient ist beglückt, weil seine veränderte Weltsicht ihm neues Handeln in seinem Leben ermöglicht, Handeln, was bisher nicht im Bereich seiner Wahrnehmung lag: Er kannte es nicht, er konnte es nicht einmal denken. Der Homöopath weiß erst anschließend um ein Abheilen der körperlichen Symptome, was ihm die Richtigkeit des Arzneimittels für diesen konkreten Patienten bestätigt.

 

© 2008   Gabriele Schöttler Heilpraktikerin

 

 

  

                                            Homöopathie und Allopathie

 

 

Die Allopathie ist eine Therapie gegen eine Krankheit. Sie versucht meist die Schlagkraft des Angreifers zu schwächen.

Die Homöopathie ist eine Therapie für einen Kranken. Sie versucht meist die Schlagkraft des Verteidigers zu stärken.

So schön und dabei einfach bringt der Schweizer Homöopath Martin Furlenmeier den Unterschied auf den Punkt. Erfreulich ist, dass Furlenmeier dabei beide Therapierichtungen würdigt, auch die Allopathie nicht verachtet. Denn wer etwas sehr stark verachtet, sollte sich fragen, was er in sich selbst so sehr verachtet.

Samuel Hahnemann, der Begründer der Homöopathie, hat selbst manchmal gleichzeitig allopathisch und homöopathisch behandelt. Ein Beispiel: Bei der schweren Cholera-Epidemie um das Jahr 1830 verordnete Hahnemann allopathisch Kampferspiritus gegen das Cholera-Miasma  und homöopathische Medikamente zur Stärkung und Gesundung des Kranken. Wir sehen: Die Homöopathie setzt unter anderem die grundlegende Kenntnis der Allopathie voraus.

Worin unterscheiden sich beide Therapierichtungen?

Furlenmeier bringt das Beispiel eines Patienten mit starker Verstopfung (Obstipation). Allopathisch bekäme der Patient Rizinusöl, welches abführend wirkt. Diese Primärwirkung (das Abführen) erlischt bald, nachdem das Rizinusöl ausgeschieden ist. Da der Mensch ein Gleichgewichtssystem ist, antwortet der Körper nach Abklingen der Primärwirkung mit einer verstopfenden Reaktion, der Sekundärwirkung. Nach der Abführkur mit Rizinus ist der Patient nach einiger Zeit verstopfter als zuvor.

So ist also die Primärwirkung immer die Wirkung des Arzneimittels auf den Organismus und die Sekundärwirkung die meist entgegengesetzte Antwort des Organismus auf die Primärwirkung.

Homöopathisch bekäme der Verstopfte eine Arznei, die vorerst die Verstopfung vorübergehend noch verstärkt (sog. Erstverschlimmerung). Dadurch wird im Gleichgewichtssystem des Organismus eine Gegenreaktion, also eine abführende Wirkung, hervorgerufen. Diese überdauert im Idealfall die Erstreaktion (Primärwirkung), so dass sich der Organismus wieder in einem Gleichgewicht einpendeln kann. Erst wenn die Sekundärwirkung endet, kann eine zweite Dosis gegeben werden, also ein zweiter Gleichgewichtsanstoss.. Dieser sollte aber nicht zu früh erfolgen. Denn die Sekundärwirkung kann über längere Zeit anhalten.

Primär- und Sekundärwirkung eines Arzneimittels kann man am Beispiel der Schlafmittel verstehen. Diese Mittel fördern nicht den gesunden, natürlichen Schlaf, sondern vermindern und unterdrücken als Primärwirkung den Wachzustand. Die folgende Sekundärwirkung bringt eine Aufhellung des Bewusstseins und einen intensiveren Wachzustand. Diese Sekundärwirkung macht jedes Schlafmittel zum Narkotikum, verständlich daher, dass es süchtig macht. Die Süchtigkeit ist also die Folge einer die Primärwirkung lang überdauernden Sekundärwirkung.

Homöopathische Medikamente gibt es in drei verschiedenen Arzneiformen:

-         Es gibt die Urtinkturen, also Ausgangsstoffe für die Zubereitung homöopathischer Präparate. Ein Beispiel ist die Baldriantinktur, die auch in der Phytotherapie oder in der Allopathie verwendet wird, nämlich zur Beruhigung.

-         Es gibt Verdünnungen dieser Urtinkturen, aufgebracht auf Globuli (Kügelchen von Rohrzucker). Durch Verdünnen und intensives Schütteln wird ein Medikament hergestellt, das z.B. nur noch ein Tausendstel des Arzneigehalts der Urtinktur aufweist. Verdünnt werden z.B. Urtinkturen einer Pflanze, die sehr giftig ist, z.B. Aconitum (Blauer Eisenhut). Hier liegt die ideale Verdünnung in einem Bereich von geringer Toxizität (Giftigkeit) und optimaler pharmakologischer Wirkung.

-         Es gibt weiter Hochpotenzen in flüssiger Form (Arzneiträger Alkohol) oder in fester Form (Globuli).Bei diesem weiteren Verdünnen (z.B. ist nur noch ein Millionstel Teil der Ursubstanz vorhanden), das man richtiger Potenzieren nennt, ist schließlich höchstens noch ein Molekül der Ursubstanz vorhanden, manchmal gar keines mehr. Erstaunlich hierbei ist: Beim Potenzieren werden nach und nach immer mehr Heilkräfte und Informationen frei. 

 

Die Hochpotenzen sind gerade die wirksamsten homöopathischen Heilmittel, wirken sie doch auf die geistige Ebene des Patienten. Dabei ist die Materie doch extrem reduziert, die Kräfte und Eigenschaften der Hochpotenzen können wir kaum erklären, nur erfahren. Rein chemisch findet die Untersuchung keinen Unterschied zwischen dem Inhalt eines Fläschchens mit reinem Alkohol und dem Inhalt des Fläschchens mit einer Hochpotenz. Die Materie ist Alkohol, doch die Hochpotenz enthält die Informationen der Ursubstanz und weitere Eigenschaften und Kräfte. Ein Bild aus der Alltagswelt mag das illustrieren: Ich kaufe einen neuen Computer, der nicht benutzt wird. Ich kaufe den gleichen Computer noch ein zweites Mal, arbeite mit ihm, er enthält nun Millionen Informationen. Untersucht man beide Computer nun chemisch, so sind sie vollkommen gleich. Der eine enthält  keine Informationen, der andere enthält Millionen Informationen. Chemisch kein Unterschied.

Dies Beispiel mag einen häufigen Einwand der Naturwissenschaft gegen die Homöopathie entkräften.

 

© 2006  Gabriele Schöttler Heilpraktikerin

                          

 

                                Katharsis durch Homöopathie

 

 

Was passiert bei einer homöopathischen Behandlung?

Ich gehe zu einem Homöopathen, weil ich an etwas leide, körperlich, seelisch, geistig. Mir geht es nicht gut. Ich entscheide mich für die Homöopathie, weil ich gehört habe, dass sie hilft. Vielleicht konnte mir die Schulmedizin nicht weiterhelfen.

Ich werde zuerst vom Homöopathen gründlich untersucht, d.h. ich werde sehr ausführlich über meinen körperlichen, meinen seelischen und geistigen Zustand befragt. Dabei werde ich eventuell an Dinge erinnert, die mir nicht angenehm sind und über die ich nie sprechen wollte. Hier aber soll ich so ausführlich wie möglich darüber erzählen. Das ist die homöopathische Erstanamnese.

Der Homöopath gibt entweder gleich ein homöopathisches Mittel oder er bestellt mich noch einmal zu sich in die Praxis, weil er noch Fragen an mich hat. In der Zwischenzeit hat er sich ausführlich mit mir, d.h. mit den Symptomen, die ich ihm genannt habe, beschäftigt. Er sucht anhand dieser Symptome ein Mittel, das genau auf mich passen soll.

Ich bekomme dann  das Mittel mit der Aufgabe, ab jetzt zu beachten und zu notieren, was in mir passiert: wie geht es mir psychisch, was spielt sich in meinem Körper ab, was träume ich, was denke ich?

Es ist ein sehr gutes Zeichen für den Homöopathen, wenn er hört, dass es mir „schlecht“ geht. Ich finde das nicht gut, da ich ja wollte, dass es mir besser geht.

Aber das Mittel regt in mir die Lebenskräfte an und rührt damit zuerst besonders an Dinge, die in mir krankhaft schlummern und meine Lebenskräfte verkümmern ließen. Der Organismus hat Symptome produziert, um sein Gleichgewicht zu halten. Würde er nicht reagieren, könnten sich z.B. Bakterien ungehindert vermehren, evtl. bis zum Tod.

Diese krankhaften „Keime“ müssen ausgeschieden werden, z.B. als Durchfall, als Erkältung, als Pickel auf der Haut. Ich bekomme Krankheiten, die ich früher mit Antibiotika unterdrückt hatte. Homöopathie ist eine Art von Beichte: der Körper beichtet und bringt alles nach außen. Es kommt nur zurück, was in der Vergangenheit unterdrückt wurde. Der Organismus kehrt in den gesunden Zustand zurück. Die Arznei ist kraftvoller als die Krankheit.

Ich träume von Erlebnissen oder erinnere Ereignisse, von denen ich eigentlich nichts mehr wissen wollte. Vielleicht wird mir bewusst, was ich alles verpasst habe

Das kann eine unangenehme Zeit, eine Krise, sein. Sie kann kurz und heftig sein, oder auch etwas länger dauern. Ich brauche die Hilfe, die Begleitung des Homöopathen, der mir sagt, ob alles seinen richtigen Weg geht.

Bin ich durch diese Krise gegangen, merke ich, dass es mir psychisch besser geht, ich fühle mich erleichtert, ich habe mehr Vertrauen in mich gewonnen. Der Prozess bleibt natürlich nicht stehen, er führt weiter, in die Tiefe. Die Krise bewirkt die Katharsis, also die Reinigung.

Manchmal brauche ich mehrere Mittel, um immer tiefer  und näher an meine Lebenskräfte zu kommen. Das Bild der Zwiebel bietet sich an: sie hat viele Schichten, die man entfernen muss, um an das Innere zu kommen.

Es kann sein, dass ich durch die homöopathische Behandlung ein anderer Mensch werde. Ich

ändere nicht meinen Charakter, sondern die gesunden Seiten treten hervor, die bislang unterdrückt wurden.

 

Gehen wir mehr als 2000 Jahre zurück. Zwischen 460 und 375 v. Chr. lebte Hippokrates, berühmter griechischer Arzt des Altertums, der Begründer der wissenschaftlichen Heilkunde und der Ärzteschule von Kos, einer griechischen Insel. Er lehrte unter einer Platane sitzend.  Der von Hippokrates formulierte Eid enthält heute noch die sittlichen Gebote ärztlichen Handelns.

Ziel der Homöopathie ist Heilen des Menschen. Schon der Wortstamm des deutschen Wortes heilen besagt, dass es darum geht, den Menschen wieder zu einem Ganzen zu machen. Die Wurzel des Wortes heil findet sich z.B. im englischen Wort whole, es bedeutet immer ganz, vollständig, unversehrt. Eine Heilerin, ein Heiler führen mich dazu, wieder unversehrt zu werden, ein ganzer Mensch zu sein, so dass ich das, was ich von mir abgespalten habe, wieder in mein ganzes Sein aufnehmen kann, ohne das es mich zerstört.

Heilung durch die Katharsis ist also Umkehr zum sinnvollen Leben, die Umwendung vom Materiellen zum Spirituellen Es geht also um eine tief wirkende Beschäftigung mit den verschlungenen Wegen der eigenen Biographie, mit dem Ziel, die eigene Mitte der Persönlichkeit zu finden, sein Selbst.

Auf diesem Weg geht es um Fragen der bisherigen Lebensführung: „Was habe ich bis heute gemacht auf meinem Lebensweg? Was steht mir bevor? Was mache ich weiter? Kann ich bestimmte Gewohnheiten loslassen, um mich zu befreien? Werde ich dann in Freiheit meine Beziehungen zu anderen Menschen neu gestalten können?“

Friedrich Glasl weist in seinem wertvollen Buch „Konflikt, Krise, Katharsis“ (Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2007) darauf hin, was sich aus der Lehre des Hippokrates entwickelt hat. Die Insel Kos, auf der er lehrte, war für die alten Griechen schon vor seiner Zeit etwas besonderes, nämlich die Wohnstätte des Gottes der Heilkunst, Asklepios. Erst nach dem Tode des Hippokrates wurde dort das Asklepieion, eine Art Tempelbezirk,  errichtet, in welchem die Menschen streng nach den überlieferten Anweisungen des Hippokrates behandelt wurden. Den Erfolg zeigen heute noch zahlreiche Dankinschriften der Geheilten auf Marmortafeln. Diese berühmte Heilstätte der Antike war über tausend Jahre in Betrieb gewesen. Heilungen vor mehr als zweitausend Jahren beschrieb schon der Dichter Herondas (3. Jh. v. Chr.).

Glasl beschreibt anschaulich die vier Phasen der Therapie im Asklepieion.

In der ersten Phase wurde der physische Körper genau untersucht, z. B. abgeklopft und abgehört. Dabei zeigten sich Symptome eines Krankheitsbildes. Schon in dieser Phase wurden erste Behandlungen eingeleitet, die auf die Physis des Menschen gerichtet waren.

In der zweiten Phase bekamen die Patienten bestimmte Badekuren verschrieben. Hier wurde auf die gestaltenden und formenden Lebenskräfte eingewirkt. Denn Hippokrates ging davon aus, dass es wenig helfen würde, nur an den Folgeerscheinungen, die im Körper auftreten, zu laborieren. Vielmehr musste auf die Form bildenden Kräfte, die zu den Krankheiten geführt hatten, eingewirkt werden. Mit der Heilkraft des Thermalwassers, mit Massagen und rhythmischen Bewegungen wurde auf die Lebenskräfte heilend eingewirkt.

In der dritten Phase wurde der mit den ersten beiden Schritten begonnene Prozess durch Tragödienspiele wesentlich vertieft. Im Theater wurde nun auf das Seelische des Menschen eingewirkt. Denn die Verursachung der Fehlentwicklungen, Krankheiten, konnte ja im Seelischen gelegen haben. In den Tragödien wurde vor die Menschen etwas sehr Dramatisches hingestellt, das eine tiefe Krise und eine Katharsis bewirken sollte. Die durch die beiden ersten Phasen vorbereiteten Patienten sahen auf der Bühne – vor sich und außer sich – etwas, das sich eigentlich in ihnen abspielte. In der Seele der Menschen wurde durch intensives Miterleben des Schauspiels eine Krise eingeleitet. Das griechische Wort Krise bedeutet Entscheidung, entscheidende Wende.

In der vierten Phase führte die Krise zur Katharsis, also zur Reinigung und Läuterung. Hier gab es den Gang durch das Labyrinth und den Tempelschlaf. Der Heiler setzt hier beim eigentlichen Verursacher all der Probleme des Kranken an, nämlich bei seinem geistigen Kern. Der Patient hatte bei den Tragödienspielen eine Lockerung, eine seelische Erschütterung erlebt. Was bisher festgehalten wurde, bot für die Zukunft kein Heil mehr. Das Gefühl der Krise, als Schwebezustand zwischen dem Alten, das nicht mehr trägt, und dem Neuen, das noch nicht gefunden ist, öffnet den Menschen für die tiefen Fragen seiner Lebensführung. Nach dem Tanz durch das eigene Lebenslabyrinth wurde der Patient im Schlaf empfänglich für die Stimme seines Höheren Selbst. Durch die Katharsis konnte er erkennen, ob eine radikale Kurswende nötig war. Er konnte seinem Leben aufs neue Sinn und Richtung geben, also die Steuerung seine Lebensschiffes selbst in die Hand nehmen.

Wichtig für das Asklepieion ist, dass der Mensch nicht unvorbereitet in Krisen hinein gestoßen wurde. Schritt für Schritt wurde er körperlich und geistig-seelisch gestärkt. So wurde er auf die dramatischen Erfahrungen im Labyrinth und im Tempelschlaf vorbereitet. So wurde er befähigt auf seinen göttlichen Kern, sein Höheres Selbst zu hören.

 

Habe ich als Homöopathin dem Patienten ein bestimmtes Mittel gegeben, so erfahre ich von ihm, was mich sehr interessiert, etwa Träume, die für den Patienten neu sind , die er also noch nie hatte. Diese Träume können ihm Fragen zu seiner bisherigen Lebensführung stellen und ihm die Möglichkeit von neuen Entscheidungen geben. Homöopathische Behandlung zielt ja im Letzten auf den geistig-seelischen Kern des Menschen ab, wo die Heilung erfolgen soll. Daß dann die Symptome verschwinden , ist ja nur eine Folge dieser inneren Heilung. Nichts anderes hat der Patient im Altertum erlebt, der sich durch das Labyrinth bewegte und im Tempelschlaf die Möglichkeit erfuhr, die Richtung seines Lebensschiffes neu zu bestimmen.

 

 

© 2007 Gabriele Schöttler Heilpraktikerin

 

                                          Abwehrkräfte

 

 

Krankheit ist eine Störung der Lebenskraft des Menschen. Von zehn Menschen, die im Regen nass werden, bekommt einer eine Lungenentzündung. Die meisten Bakterien können nur dann etwas bei uns anrichten, wenn unsere eigene Selbstheilungs- oder Abwehrkraft schwach ist. Durch die Beseitigung von Bakterien (durch Antibiotika zum Beispiel) tun wir nichts für die Behebung dieser Abwehrschwäche. Die homöopathische Medizin zielt darauf ab, die gestörte Lebenskraft zu stärken,  und unterstützt damit die Selbstheilungskräfte des Körpers. Der Homöopathie zufolge sind Symptome ein Ausdruck der gestörten Lebenskraft (so Rajan Sankaran, The Spirit of Homoeopathy, Mumbai, Indien, 1998). 

 

Schon in früheren Zeiten haben große Ärzte wie Hippokrates und Paracelsus über den Einfluss der Psyche auf die Krankheitsabwehr nachgedacht. Doch dies geriet Jahrhunderte lang in Vergessenheit. Grund dafür war, dass die Geschichte der Menschheit durch große Epidemien wie Cholera, Typhus und Pest gekennzeichnet war. Aus der Zeit dieser seuchenartigen Infektionskrankheiten stammt die heutige übliche Krankheitsauffassung, wonach die Krankheit, das Übel bekämpft werden muss, vorbeugend und akut nach Ausbruch der Krankheit. Dies ist heute noch die Auffassung der Allopathie, welche die Schlagkraft des Angreifers schwächen will. Die Homöopathie dagegen ist eine Therapie für den Kranken. Sie versucht die Schlagkraft des Verteidigers zu stärken.

Die vorherrschenden Krankheiten wandeln sich jedoch langsam aber ständig innerhalb eines geographischen und kulturellen Gebiets. Heute gibt es bei uns zwei Gruppen von Krankheiten, die für die Mehrzahl der Todesfälle verantwortlich sind: Zum einen Erkrankungen des Systems von Herz, Kreislauf und Blutgefäßen, zum anderen die karzinogenen Erkrankungen. Beide Krankheitsbilder können aber nicht mehr mit der Bekämpfung des Übels beseitigt werden. Denn sie werden nicht direkt von außen, durch einen Krankheitserreger verursacht, sondern entstehen auf Grund vieler Faktoren. Sie haben einen Signalwert und beruhen auf unserem Umgang mit der äußeren Welt (ökologischer Aspekt) und mit der inneren Welt (psychologischer Aspekt).

Genau von diesen beiden Welten ist jedoch unser Immunsystem stark beeinflusst. Spätestens seit den ersten Aids-Erkrankungen 1980 können wir die Rolle des Immunsystems voll erfassen: Bricht es zusammen, so ist der baldige Tod unausweichlich. Aufgabe des Immunsystems ist es, den Organismus gegen eindringende Bakterien, Viren oder Parasiten (wie Pilzen) zu verteidigen sowie Fremdstoffe, Fremdgewebe (Problem bei Transplantationen) und entartetes Eigengewebe (Problem beim Karzinom) zu vernichten.

Das Immunsystem steht in Wechselwirkung mit dem Nerven- und Hormonsystem und wird von physiologischen und psychologischen Aspekten beeinflusst. Äußere Umstände (Strahlung, Giftstoffe, Ernährung) haben genauso ihre Auswirkungen auf das körpereigene Abwehrsystem wie innere Zustände (Stress, Hilflosigkeit, aber auch Glück und Freude).

Ein Beispiel: Wenn tausende Menschen während ihres Urlaubs am Meer oder im Gebirge unter Fieberblasen leiden (Herpes simplex), dann ist nicht etwa eine Neuinfektion mit diesem Virus schuld. Vielmehr schwächt der rasche Klima- und Höhenwechsel das Immunsystem, das normalerweise den Herpes simplex Virus gut in Schach halten kann. Das Immunsystem wurde durch die Veränderung der gewohnten Lebensumstände (Sonneneinstrahlung, Bewegung, Ernährung) lediglich aus dem Gleichgewicht gebracht.

 

Das Immunsystem wird psychisch beeinflusst. Kein Medikament kann das Immunsystem so rasch und intensiv beeinflussen wie eine nachhaltig positive Gefühlslage.

Es geht um die Erlebnisweise des Daseins, die Thematik des Menschen. Im gesunden Zustand macht das einen wichtigen Teil seines Lebens aus, es trägt bei zu seinen Aufgaben, die er sich selber stellt, seinen Zielen, seinem Lebenssinn. Die Gesundung geht immer von der positiven Erfüllung der Existenz aus. Der Homöopathie sind Fälle geläufig, in denen der Mensch wegen körperlicher Symptome in die Behandlung kam, er aber psychisch Auftrieb bekommt. Eine veränderte Weltsicht ermöglicht ihm neues Handeln in seinem Leben, Handeln, was bisher nicht in seiner Wahrnehmung lag: Er kannte es nicht, er konnte es nicht einmal denken.

 

Den Sinn des Lebens hat Viktor E. Frankl, der Begründer der Logotherapie und Existenzanalyse, in der Verantwortung für seine Mitgefangenen gesehen, als er in grauenhaften Nazi-Konzentrationslagern festgehalten wurde. Das Streben des Individuums ist es, Sinn und Zweck in der persönlichen Existenz zu finden. Entscheidend ist, vor wem man sich verantwortlich fühlt (vor Gott oder seinem Gewissen) und wofür man sich verantwortlich fühlt,  also welchen Sinn man in seinem Leben findet. Sinn bedeutet, die beste Möglichkeit im Hintergrund der Wirklichkeit zu realisieren. Wichtig ist zu fragen: Wo kann und soll ich etwas in meiner Umgebung, meinem Leben ändern? Wo kann und soll ich mich und meine Einstellung ändern? Oft sind es geringfügige Änderungen, die plötzlich Lebensfreude und Sinnerfüllung in das Leben eines Menschen bringen.

Trauriges Gegenbeispiel: Der alte Mensch, der sich in das Altersheim abgeschoben fühlt, sich aber auch für niemanden mehr verantwortlich fühlt, verliert den Sinn, sein Immunsystem bricht ein.

Viktor E. Frankl bringt ein Beispiel, um den Unterschied zwischen dem Pessimisten und dem Optimisten zu zeigen. Der Pessimist reißt jeden Tag ein Blatt von seinem Abreißkalender. Er bedauert, dass so Jahr für Jahr vergehen, bis zum Ende seines Lebens. Der Optimist legt jedes abgerissene Kalenderblatt zur Seite auf einen Stapel, nachdem er notiert hat, was an diesem Tag geschah, er Wichtiges oder auch Einfaches gemacht hat. Zufrieden schaut der Optimist auf den Stapel der abgerissenen und beschriebenen Blätter. Sie zeigen ihm sein Leben und Wirken, er erlebt Sinn in seinem Leben.

Frankl sieht seelische Gesundheit als Sinnerfülltheit. Erfahren und Ernstnehmen neuer Erlebnisse und Ereignisse, das sind die Voraussetzungen für das Fortschreiten auf dem Weg zum eigenen Selbst und damit zum Sinn des Lebens.

Psychisch wird das Immunsystem beeinflusst, hier Beispiele:

 

Unter Stress schlägt das Herz schneller, der Blutdruck steigt und die Muskeln sind besser durchblutet, damit der Körper auf eine Kampf- oder Fluchtreaktion vorbereitet ist. Um Kräfte zu sparen, ist in einer solchen Situation die Aktivität des Immunsystems herabgesetzt. Eine solche kurzfristige Spannungssituation schadet dem Immunsystem nicht. Schädlich ist aber Langzeitstress. So leiden Menschen, die jahrelang chronischem Stress ausgesetzt waren (z.B. bei der Pflege eines alzheimerkranken Angehörigen) häufiger an infektiösen Erkrankungen und sind auch länger krank als Menschen ohne eine solche Situation.

Für die Stressbewältigung spielt es eine entscheidende Rolle, ob man gegen negative Umstände etwas tun kann. Kontrollierbarkeit der Situation schadet nicht, schlimm für das Immunsystem ist das Gefühl der Hilflosigkeit.

Prüfungsstress kann stimulierend auf das Immunsystem wirken, wenn der Prüfling sich den Anforderungen gewachsen fühlt. Die Bewertung der Situation ist also genauso wichtig wie die Situation selbst: Wird die Lebenssituation als Stressfaktor oder als Herausforderung gesehen?

 

Menschen, die ständig ihre Traurigkeit zu verstecken und zu überspielen versuchen, stehen viel stärker unter chronischen Stress als Menschen, die auch „depressiv“ sein dürfen. Hier ist die menschliche Sehnsucht, echt sein zu dürfen, für das Immunsystem gesünder.

Absurdes Gegenbeispiel: Der US-Amerikaner wird an dem Tag, an dem er sich umbringen wird, in der Früh noch Nachbarn auf die Frage, How are You? Ein begeistertes „I feel fine“ entgegenschmettern. Angeblich geht es ihm ja hervorragend.

 

Einen starken Einfluss auf das Immunsystem hat auch die Frage der sozialen Eingebundenheit oder der sozialen Einsamkeit. Hier scheint aber nicht die Vielzahl der Beziehungen, sondern die Stärke der Bindungen maßgeblich für den Menschen zu sein. Das heißt: Eine einzige wirkliche Beziehung trägt mehr als eine Vielzahl an Bekanntschaften, auch in Bezug auf das Immunsystem.

 

Glück wird immer dann erlebt, wenn wir Dinge tun oder erleben, die uns die Welt um uns herum vergessen lassen, also wenn Lebensbereiche uns herausfordern, aber nicht überfordern.

„Wahres Glück erlebt man nicht dann, wenn man tut, was einem gefällt, sondern wenn einem gefällt, was man tut.“

 

© 2007 Gabriele Schöttler Heilpraktikerin

 

                                   

 

                                                         Träume und Homöopathie

 

 

Der Homöopath ist weder Analytiker noch Psychotherapeut. Kommt ein Kranker hilfesuchend zu ihm, arbeitet er mit einer Materia Medica (Sammlung von Arzneimittelbildern) und einem Repertorium (Sammlung von Krankheitssymptomen). In beiden sind neben körperlichen Symptomen auch Geistes- und Gemütssymptome und Traumsymptome verzeichnet. Der Homöopath arbeitet deswegen auch mit den Träumen, die der Patient ihm mitteilt.

 

Das Arzneimittel, das in der Lage ist, beim Gesunden ähnliche Symptome hervorzurufen, wie sie der leidende Patient hat, heilt diesen in vielen Fällen. Dieses Ähnlichkeitsprinzip (similia similibus) bietet keinerlei Erklärung für die Fähigkeit zu heilen; es erklärt nur, wann ein Arzneimittel heilen wird, nicht warum es heilt. Der verstorbene New Yorker Analytiker und Homöopath Edward C. Whitmont gibt in seinem Buch „Psyche und Substanz“ (Burgdorf Verlag für homöopathische Literatur, Göttingen 1997) einen Erklärungsversuch. Er nennt ein Beispiel aus der Physik, das Phänomen der Interferenz des Lichtes oder ganz allgemein der Wellenmuster: Zwei Schwingungen identischer Natur (also von gleicher Amplitude und Frequenz), aber gegensätzlichen Ursprungs, gegensätzlicher Richtung oder Phase heben sich gegenseitig auf, wenn sie aufeinandertreffen. Dieses Phänomen scheint auch vorzuliegen, wenn die Schwingungsenergie des potenzierten Arzneimittels die Schwingungsenergie der Krankheit neutralisiert. Whitmont postuliert, dass die Arzneimittelenergie von der gleichen Natur sein muss, also die gleiche Schwingungsamplitude und Frequenz haben muss wie die Energie der Krankheit. Arzneimittel und Krankheit unterscheiden sich nur hinsichtlich der Phase, nämlich was Ursprung und Richtung anbelangt. Die Energie des Arzneimittels ist exogenen Ursprungs, ein Teil der äußeren Natur; die Krankheit entsteht im Patienten.

 

Kritisch bis ablehnend geht Whitmont in seinem Buch „Der Traum in der homöopathischen Praxis“ (Burgdorf Verlag, Göttingen 1998) mit der Rubrik „Träume“ in den Repertorien um. Er hält sie für verfehlt, weil die Traumsymptome nicht tiefenpsychologisch begründet sind, sondern völlig naiv aufgeschrieben sind. Begonnen hatte hiermit Hahnemann, der in vorpsychologischer Zeit arbeitete und von Tiefenpsychologie keine Ahnung hatte und auch nicht haben konnte. Die epochale Arbeit Sigmund Freuds „Die Traumdeutung“ erschien ja erst im Jahre 1900, die Arbeiten C.G. Jungs etwa zur Traumsymbolik und zur Individuation noch später.

Hieraus folgt, dass wir den Traum zur Persönlichkeit rechnen, ihn aber nicht zur Repertorisierung verwenden können. Träume nutzt der Homöopath zur Findung der Persönlichkeit und der Gemütssymptome.

 

Wenig nutzen wird dem Homöopathen eines der auf dem Markt befindlichen Lexika, in dem man Traumsymbole nachschlagen kann. Ein solches Lexikon ergibt schon deswegen keinen Sinn, weil doch immer die Frage ist:

-         Wer träumt das?

-         In welcher Situation seines äußeren Lebens träumt er das?

-         Wie ist die emotionale Beteiligung des Träumers im Traum oder später, wenn er den Traum dem Homöopathen berichtet? Ist der Träumer etwa im Traum oder bei seiner Mitteilung des Traumes unbeteiligt, als würde er einen Wetterbericht erleben oder vortragen?

-         Gehört der Traum mit anderen Träumen zusammen? Zwei Träume aus einer Nacht gehören zusammen. Aber wenn der Träumer einen Traum erzählt und sagt: Das habe ich vor fünf Jahren schon mal geträumt, so gehören diese Träume zusammen.

-         Welche körperlichen Auffälligkeiten zeigt der Träumer beim Berichten des Traumes: Ballt er die Fäuste, kratzt er sich am Kopf, knirscht er mit den Zähnen? Auch das gehört zum Traum, das kann kein Traum-Lexikon erfassen.

 

Tatsächlich muss jedes Detail des Traumes genau ausgewertet werden, Träume sind in ihrer Bestimmtheit haargenau. Auch darf der, dem der Traum berichtet wird, nicht seine eigenen Voraussetzungen in den Traum hineinprojizieren. Es ist und bleibt der Traum dessen, der träumt. Der erfahrene Homöopath hat jedoch ein Kriterium: Gerade wenn ein Traum mit der bewussten Einstellung des Träumers übereinstimmt, ist er nicht verstanden. Der Traum weicht immer von der bewussten Einstellung des Träumers ab. Warum sollte man sich sonst die Mühe machen zu träumen?

 

Der Traum ist zunächst einmal ein Naturphänomen, das gibt es einfach wie das Atmen. Das Träumen scheint ein Lern- und Anpassungsphänomen zu sein. Er ist eine urtümliche Form der Auseinandersetzung mit der Welt. Der einzelne Traum ist kein vereinzeltes Geschehen oder isoliertes Phänomen, sondern vielmehr eine Auseinandersetzung von Innenwelt und Umwelt.

Whitmont weist darauf hin, dass es keine „guten“ oder „schlechten“ Träume gibt. Der Traum zeigt die Situation so, wie sie ist, und nicht, wie sie von uns gewöhnlich gesehen wird. Der Traum ist keine Wunscherfüllung und keine Furchtempfindung, sondern eine objektive Darstellung einer Beziehungssituation in Bildern, ähnlich einem Rebus-Rätsel. Die Traumsituation kann eine innere oder äußere sein, sie kann auch eine zwischenmenschliche Beziehung darstellen.

 

Der Homöopath ist an den Träumen seiner Patienten interessiert. Denn wenn er nur mit den körperlichen Symptomen, die der Patient berichtet, auskommen will, wird er oft schief liegen. Der Homöopath braucht also noch andere Wege, um exakter die psychische Verfassung des Patienten, seine Gemütslage für die Wahl des richtigen Mittels feststellen zu können. Schon Freud bezeichnete ja den Traum als den Königsweg zum Unbewussten.

 

Bei der Traumdeutung sollte der Homöopath auch an die Diskussionstechnik der Talmud-Studenten denken. Diese stellen, nach ausgiebiger Diskussion einer Textstelle, am Ende die Frage: Kann nicht das Gegenteil richtig sein?

-         Denken wir an das Delphische Orakel. Krösus stellte ihm die Frage, was geschehen würde, wenn er Krieg gegen Persien führen würde. Als Antwort bekam er: Du wirst ein großes Reich zerstören. – Es war sein eigenes.

-         Hannibal träumte vor dem zweiten Punischen Krieg, dass er auf dem Olymp zum Gastmahl der Götter eingeladen ist, und Jupiter fordert ihn auf, Krieg gegen Rom zu führen. Hannibal wacht auf und sagte: Jupiter ist mein Bundesgenosse! - Hannibal wurde dann im Krieg völlig geschlagen, weil er vergessen hatte, dass Jupiter der Schutzgott Roms war.

-         Abraham Lincoln träumte in der Nacht vor seiner Ermordung: Er geht ins Weiße Haus, dort ist alles schwarz drapiert und mit Fackeln ausgestattet. Er fragt die Wachen: Was ist los? Sie sagen: Der Präsident ist ermordet worden. – Er wacht auf und sagt seiner Frau zu diesem Traum: Ich war da, und es ist mir nichts passiert. – Aber genau das ist es, was der Traum besagen will: Als Wesen bleibt er am Leben, aber der Präsident in seiner irdischen Inkarnation stirbt.

-         Ein letztes Beispiel: Als der Massenmörder Hitler in der Wiener Hofburg war, sah er ein Bild des germanischen Gottes Odin in den Wolken. Dieser wies ihm den Weg nach Osten. – Hitler sagte: Aha, ich werde Russland besiegen! – Er hatte aber übersehen, dass Odin als Gott bekannt dafür ist, dass er seine Helden im Stich lässt. Das Bild war richtig, aber Hitler hatte es nicht verstanden.

 

Nun als Beispiel ein Traum mit seiner Deutung, die Whitmont in seinem Buch „Träume“ (Burgdorf Verlag, Göttingen 1992) bringt.

Der lange Traum der Patientin kurz gefasst:

 

Ich bin in einem alten, verfallenen Häuslein mit meiner Schwester zusammen. Wir kommen nicht miteinander aus. Ein unangenehmer Kerl will gewaltsam hinein. Ich versuche die Polizei zur Hilfe zu rufen. Das nützt nichts. Ich muss mich zur Schwester anders einstellen.

Ich wache auf.

 

Die Arbeit Whitmonts mit seiner Patientin auf Grund deren Assoziationen: Das Häuslein war ein Nebengebäude, in das sich die Träumerin in der Kindheit mit der Schwester zurückzog, weil sie sich von der Mutter unverstanden fühlte, sich einsam mit der Schwester fühlte. Diese war rebellisch, schaffte es im späteren Leben, einen unabhängigen Platz zu finden. Den Eindringling assoziiert die Träumerin mit einem alkoholabhängigen Patienten in einer Station, in der sie als Sozialarbeiterin gearbeitet hatte; dieser beging Diebstähle, versuchte es auch bei ihr. Der Traum deutet auf die Furcht der Träumerin hin, von einem soziopathischen Impuls übermannt zu werden. Es geht um elementare Bedürfnisse der Träumerin, die nicht befriedigt werden; dass sie sich also nicht positiv auf ihr eigene rebellische Seite einstellt und nicht sieht, dass in der Nichtkonformität durchaus eine positive Seite stecken kann. Hilfe von der Polizei erlangt sie nicht. Denn die Polizei steht für ein kollektives, nicht-individuelles Ordnungsprinzip. Es muss ein anderer persönlicher Weg gefunden werden, um mit dem Eindringling fertig zu werden.

 

Zusammengefasst gibt dieser Traum das Bild eines „toten“ Lebens, das langweilig, kleinmütig und oberflächlich gelebt wird. Eine Bedrohung besteht durch die unterdrückten, aggressiv-soziopathischen Tendenzen, die eine andere Form der nicht eingestandenen Rebellion sind. Die vom Traum aufgezeigte Lösung: Wenn ich anders mit der Schwester spreche, also meine Einstellung ändere, könnte etwas Positives dabei herauskommen.

 

Das Ende des Traumes „Ich wache auf.“ taucht bei vielen Träumen auf. Es ist auch das Aufwachen im übertragenen Sinne: Ich schaue etwas an, was ich so noch nicht sah. Der Traum zeigt der Träumerin also eine Möglichkeit.

 

Ein solches Verständnis des Traumes hilft dem Homöopathen, den Menschen zu verstehen und einige wenige Mittel herauszusuchen, die z.B. eine unterdrückte Persönlichkeit betreffen und die ihr helfen sollen auszubrechen. Zur endgültigen Mittelfindung helfen ihm die körperlichen Symptome, aber dieses Geistes- und Gemütssymptom beurteilt er als sehr hochwertig.

 

Wichtig ist der Hinweis Whitmonts in seinem Buch „Träume“ von 1992: Es genügt nicht, ein Problem im Traum zu lösen. Es muss ein entsprechendes aktives Tun im wachen Leben folgen. Abstraktes Verständnis und emotionale Einsicht in Bezug auf den Traum langen nicht. Der Traum zeigt uns, wo wir stehen, wo wir irregehen und welche Wege und Möglichkeiten uns offen stehen. Aber solange wir nicht versuchen, sie auszuprobieren und mit den damit verbundenen Schwierigkeiten ringen, ist die Traumbotschaft vergebens.

 

 

 

 

 

Epilog:

 

Auch wenn der Homöopath kein Psychotherapeut ist, kommen doch zu ihm Menschen, die im Alten Griechenland zu den therapeutes gegangen wären. Therapeuten waren in den antiken Tempeln Seelenführer. Ich verweise auf meinen Artikel „Kartharsis“, der auch auf den Heilschlaf im Tempel eingeht. Diese therapeutes hatten eine priesterliche Funktion. In der heutigen Zeit ist diese Funktion aus priesterlichen in ärztliche Hände übergegangen. Fraglich ist, ob das ein Fortschritt ist. Schon C.G. Jung beklagte, dass zu ihm Menschen kommen mit der Bitte um Hilfe, die eigentlich philosophische und ethische Fragen und Probleme haben. Er würde sie am liebsten zum Seelsorger schicken. Doch : Daher kommen sie ja zu ihm. Der Therapeut muss also Menschen in Fragen zu helfen versuchen, die eigentlich in den Bereich der Seelsorge gehören. Doch die Kirchen bieten Moral statt Hilfe in existentiellen Fragen. So sagte schon Jung: Der Priester auf der Kanzel redet von Erlösung; doch wer in seiner Gemeinde sieht erlöst aus, lebt die Freude eines Gotteskindes?

 

Traumarbeit hat die Themen Arbeit, Wissen und Liebesfähigkeit des Patienten. Keine leichten Lebensaufgaben. Dabei stolpert man manchmal, das nennt man dann Krankheit. Die Traumarbeit hilft, dass das Neue, das geboren werden soll, auch geboren werden kann. Für den Homöopathen heißt das, dass es nicht genügt, nach Symptomen zu behandeln und sie zum Verschwinden zu bringen oder Krankheitszustände einfach zu beseitigen. Hier wird das Neue nur zur Ruhe gebracht. Hier handelt es sich um das, was Hahnemann und Kent als Hindernisse zur Gesundung bezeichnet haben. Man nennt es Chronizität. Nach drei oder sechs Monaten ist der Patient zurück, und das Symptom ist wieder da. Hier würde die Homöopathie nur die Krankheit unterdrücken statt zu heilen. Krankheit ist also eine kritische Wegstation, notwendig zur Integration neuer Persönlichkeits- und Bewusstseinsphasen. Das Neue klopft an, pocht und zetert, bis es endlich angenommen wird. Vorher gibt es Träume von Einbrechern, Verfolgern und Tieren, die einen beißen wollen, wenn sie nicht gefüttert werden. Auch der Traum:

Ich habe einen Mord begangen und stehe nun vor Gericht.

ist nur die Reaktion darauf, dass im Inneren etwas totgemacht, vernachlässigt wurde.

Whitmont erinnert an die chassidische Erzählung, die Martin Buber berichtet:

Rabbi Sossia sagt: Wenn ich vor dem höchsten Richter stehe, werde ich nicht gefragt werden:“ Warum hast Du nicht gelebt wie Moses?“ sondern: „Warum hast Du nicht gelebt wie Sossia?“

 

Den Traum sehe ich wie eine Botschaft vom höheren Selbst. Er zeigt an, dass ein Problem jetzt angegangen werden kann oder soll. Manchmal kann der Traum sehr energisch sein und auf etwas hinweisen: Ja, warum schaust Du das nicht an? Je mehr wir die Traumbotschaft abweisen, um so dringender wird der Traum. Schließlich kommt der Alptraum, in dem das Traummotiv völlig übertrieben wird. Der Mensch ist frei, auch das wegzuschieben. Hier kommt dann vielleicht der Traum ins Leben. Es gibt einen Unfall, wo es uns auf den Kopf haut. Vielleicht verstehen wir es dann.

 

Anders als die Alpträume sind die Todesträume. Sie werden gefürchtet, sind aber harmlos. Wenn Sie im Traum erschossen werden oder sonst wie umgebracht werden, bedeutet das oft Neubeginn. Eine alte Haltung geht nun zu Ende, stirbt oder muss sterben. Vielleicht ist die alte Haltung schon tot und man soll  erfahren, dass es so ist.

 

 

 

 

Sexuelle Träume müssen natürlich zunächst auf Sexualität angesehen werden. Sie stehen für sexuelle Probleme oder für eine Sexualität, die nicht angenommen wird. Wenn das nicht ist, deuten diese Träume auf Beziehung hin. Was als Gefühl nicht zugelassen wird, fällt in die Sexualität. Fehlt die Beziehungsfähigkeit, weil  persönliche Beziehung und der Gefühlsbereich in unserer Kultur unterdrückt werden, führt dies oft in die Sexualität. So ist Sexualität oft Beziehungsersatz.

Berichtet der Träumer einen Traum, so soll der Hörer, hier der Homöopath, nicht seine eigenen Vorstellungen in den Traum hineinbringen. Erklärungen und Deutungen, die am Patienten vorbeigehen, schaden eher und entwerten den Traum und die Arbeit an weiteren Träumen. Hier gibt es ein Kriterium dafür, ob der Traum verstanden wurde: Der Patient erfährt eine Deutung, versteht etwas, es fällt ihm wie Schuppen von den Augen, er sagt „Aha“ oder seufzt erleichtert auf, seine Brust weitet sich: Hier ist der Traum und seine Bedeutung beim Träumer angekommen. Dies setzt eine bescheidene und dienende Einstellung und Arbeit des Therapeuten voraus.

 

In seinem schon zitierten Buch „Der Traum in der homöopathischen Praxis“ gibt Whitmont wichtige Hinweise zum Aufbau des Traumes. Er vergleicht ihn mit einem Drama.

Die Exposition des Traumes zeigt an, wo und wann was geschieht. Hier lohnt es sich immer nachzufragen, weil der Träumer dem wenig Bedeutung zumisst. Die Exposition zeigt, wie die Situation ist.

Die Entwicklung des Traumes, die folgt, zeigt, was aus dieser Situation entstehen könnte, es ist die Krise im Drama.

Die Lösung oder Katastrophe des Traumes deutet auf das Ende hin, auf die Zukunft: Wie kann das Problem angegangen werden? Wohin führt es, wenn das Problem nicht bearbeitet wird?

Whitmont nennt es das Musikalische im Traume, wo ein Thema variiert wird und in dieser oder jener Form wieder auftaucht. Dieses Thema verdient Beachtung.

Der Traum zeigt dem Träumer, was er tun könnte oder sollte, wenn er sich dazu aufrafft. Die Problemlösungen, die man im Traum macht, sind noch nicht. Sie müssen noch im Leben Wirklichkeit werden.

So ist es ein Unfug jemandem zu sagen: „Sie haben einen schönen Traum gehabt, jetzt ist alles gut!“

Das Leben wird im Leben gelebt.

 

© 2008  Gabriele Schöttler Heilpraktikerin

 

                         

 

                                   Geriatrie und Homöopathie

 

 

Bei geriatrischen Patienten sehen wir häufig den Endzustand einer individuellen Biographie, die von verschiedenen Erkrankungen gekennzeichnet ist. Wir treffen auf schwere Organpathologien und auf Multimorbidität. Wir finden schwere Einschränkungen der Mobilität und der Autonomie. Es handelt sich oft um chronische Erkrankungen, die auch konventionell („schulmedizinisch“) nicht vernünftig therapierbar sind, dem Arzt fehlen therapeutische Alternativen.

Häufige geriatrische Probleme sind z.B. Demenz und Inkontinenz, weiter Mobilitätsstörungen, Sturzgefahr, Koronare Herz-Krankheiten sowie Morbus Parkinson und Zustand nach Schlaganfall.

Ein großes Problem stellt die Multimedikamentation mit unerwünschten Arzneiwirkungen dar.

Das wichtigste Ziel der homöopathischen Therapie besteht in der Anregung der Selbstheilung. Das Selbstheilungspotential ist eingeschränkt bei schweren Organpathologien, so dass man sich oft mit einer Linderung akuter und chronischer Krankheiten zufrieden geben muss, wobei die Steigerung der Lebensqualität und des Wohlbefindens des alten Menschen schon ein beachtlicher Wert ist. Ziel ist es, die Autonomie und die Gesundheitskompetenz des Patienten zu stärken und nebenwirkungsreiche Medikamente einzusparen.

 

Geriatrische Patienten, ob im Krankenhaus, im Pflegeheim oder in häuslicher Pflege nehmen oft täglich 15 bis 18 verschiedene Medikamente, verschrieben von verschiedenen Ärzten, die teilweise nichts voneinander wissen. So weiß der eine Arzt z.B. nicht, wenn der andere Arzt ein Medikament abgesetzt hat und ein neues verordnet hat.

Der Arzt Michael Teut berichtet aus der Charite in Berlin, dass er bei seinen Patienten die Gesamtzahl der verschiedenen Medikamente auf drei bis fünf reduziert hat und allein schon dadurch eine Besserung des Gesundheitszustandes und Wohlbefindens erreicht hat. Auch legt er Wert auf nichtarzneiliche Therapiemöglichkeiten (Bewegungstherapie, Physiotherapie, Schlafhygiene, Ernährung und Trinken und psychosoziales Wohlbefinden).                                 Die im Alter gefürchtete Sturzgefahr reduziert sich bei genügender körperlicher Bewegung. Zum einen, weil die Muskeln und der Gleichgewichtssinn trainiert und beansprucht werden, zum anderen, weil durch die Bewegung ein Vertrauen in den eigenen Körper und seine Funktionen wächst. Manche Stürze, im Heim oder zu Hause, gibt es, weil der alte Mensch Angst vor dem Sturz hat und ohne Vertrauen in seinen Körper und seine Fähigkeiten ist.

Die Einnahme beruhigender oder Schlaf fördernder Medikamente sowie allgemein die Einnahme sehr vieler Medikamente tragen zum erhöhten Sturzrisiko bei.

 

Die Homöopathie spielt heute in der Akutversorgung in Krankenhäusern fast keine Rolle. Sie beschränkt sich im wesentlichen auf die Krankenversorgung im ambulanten Bereich durch Ärzte und Heilpraktiker. Bei schweren Pathologien wird homöopathisch begleitend zur konventionelle Therapie behandelt, mit Einzelmitteln nach der klassischen Homöopathie oder mit Komplexmitteln aus der anthroposophisch erweiterten Medizin.

Homöopathische Verschreibungen erfolgen im Bereich der Geriatrie oft bei neurologischen oder kardiologischen Problemen. Zu beachten ist, dass dem Schlaganfall meist eine kardiologische Erkrankung vorangeht, die auch begleitend zu behandeln ist.

Im Behandlungsspektrum der Homöopathie in der Geriatrie liegen Erkrankungen wie Schlaganfall, Morbus Parkinson, Demenzerkrankungen  oder koronare Herzkrankheit, die auch konventionell schwierig zu behandeln sind.

Häufig ist die Homöopathie die „letzte Wahl“, wenn keine „schulmedizinischen Alternativen“ mehr bestehen, der Patient, wie das unfreundliche Wort es ausdrückt, „austherapiert“ ist.

Der Homöopath findet den geriatrischen Patienten bereits mit einer Vielzahl von Medikamenten belegt. Ziel der homöopathischen Therapie ist es hier, durch die komplementäre Gabe homöopathischer Arzneimittel positiv auf die pathologischen Grundprozesse einzuwirken, um eine Heilungsreaktion in Gang zu setzen oder zumindest die symptomatische Linderung zu erreichen, in jedem Fall aber eine Verbesserung der Lebensqualität und eine Reduktion nebenwirkungsreicher konventioneller Arzneimittel zu erreichen.

 

Ein Beispiel für die Gabe eines homöopathischen Mittels: Bei Schwindel und Gangstörungen kann eine wesentliche Besserung mit Conium maculatum erzielt werden, dem gefleckten Schierling. Die Pflanze wächst bevorzugt in feuchter Umgebung auf stickstoffreichem Boden an Zäunen, Mauern und Hecken, sie wird bis 2,5 Meter hoch.

Sie ist eine für Säugetiere stark giftige Pflanze und wurde schon im Altertum von Menschen gezielt wegen seiner Gift- und Heilwirkungen verwendet. Platon schildert im „Phaidon“ die Hinrichtung des Sokrates mit dem Schierlingsbecher.

Conium maculatum wurde erstmals von Samuel Hahnemann geprüft. Es findet sich sowohl in seinem Werk „ Reine Arzneimittellehre“ als auch in seinem Buch „Chronische Krankheiten“. Conium ist in der Homöopathie besonders durch die Wirkungsbeziehungen zu Schwindel und Lähmungen bekannt. Der Homöopath wählt eine für den Patienten passende Potenz des Mittels aus. Schwindel und die Lähmungen im Gang bessern sich in vielen Fällen. Wenn auch der Schwindel weg ist, ist das Gehen manchmal nur mit dem Rollator oder dem Gehstock möglich, dennoch für den vorher unbeweglichen Patienten ein Gewinn an Lebensqualität.

 

Komplementär behandelt der Homöopath Schlaganfall-Patienten (Apoplex-Patienten).

Der Schlaganfall ist die häufigste neurologische Erkrankung in Deutschland, er steht auf Platz drei  der Todesursachen. Er ist der häufigste Grund für eine lebenslange Behinderung im Erwachsenenalter und führt oft zu Pflegebedürftigkeit. Der Patient ist auf fremde Hilfe angewiesen, er erhält sie in einem Pflegeheim oder zu Hause durch einen ambulanten Pflegedienst. In 80% der Fälle liegt ein Hirninfarkt vor, in 20% der Fälle eine Blutung im Gehirn.

Die homöopathische Behandlung wird meist zusätzlich (komplementär) zur konventionellen Therapie angewandt, der Patient profitiert von der Kombination beider Therapieansätze.

Die Homöopathie verlangt die Einzelmitteltherapie. Homöopathische Schlaganfallarzneien samt ausführlicher Fallsammlung bringen Michael Teut  und Johannes Wilkens in ihrem Werk „Homöopathische Schlaganfalltherapie“ (Hippokrates Verlag, Stuttgart, 2006).

Ein anthroposophisches Behandlungskonzept, das die Verwendung von potenzierten Schlangengiften oder Naja compositum plus Arnica, Ledum oder Tabacum umfasst, bringen Johannes Wilkens et al. in dem Aufsatz „Vergleichende Untersuchung zur Behandlung des Schlaganfalls mit homöopathischen und anthroposophischen Arzneimitteln in einer Reha-Klinik“, abgedruckt in Erfahrungsheilkunde 2002; 51: 397-404.

Der homöopathische Therapieansatz ist dreistufig, hat für jede Stufe verschiedene Arzneigaben: Akutes Stadium 1 (Blutungsstop), Stadium 2 (Auflösung der Gerinnsel) und Stufe 3 (Vorbeugung und Nachbehandlung).

Zu beachten ist, dass es zwei Patiententypen gibt: Die, welche lange Zeit ein symptomatisch stabiles und homogenes Krankheitsbild aufweisen (kohärente Fälle) und andere, bei denen die Krankheitszustände – und damit die Arzneimittel – häufiger wechseln (inkohärente Fälle).

Welches Arzneimittel der Homöopath in dem jeweiligen Stadium wählt, ergibt sich aus der Anamnese. Die Mittel sind sehr speziell, so etwa verschieden für linksseitige oder rechtsseitige Lähmungen.

Dieser Überblick zeigt nicht nur die Arbeit des Homöopathen zum Thema Geriatrie in seiner Praxis, sondern zeigt auch Möglichkeiten zur homöopathischen Behandlung der Patienten in einem ambulanten Pflegedienst. Hier ist natürlich abzustimmen, ob der Patient und seine Angehörigen dies akzeptieren und ob der behandelnde Arzt eine solche homöopathische Mitbehandlung erlaubt.

2008 copyright Gabriele Schöttler  Heilpraktikerin

                     

 

 

                    Homöopathie in der Palliativmedizin

 

 

Vom 30. Januar bis zum 1. Februar 2009 fanden im Krankenhaus für Naturheilweisen in München-Harlaching die Münchner Homöopathie-Tage statt. Ihr Motto „Am Ende des Lebens“.

Vorträge und Fallbesprechungen, meist auf Grund von Videofilmen über behandelte Patienten, gab es von Referenten aus verschiedenen Ländern. Ich greife den Arzt und Homöopathen  Dr.med. Jens Wurster heraus. Er studierte Medizin in München und behandelt seit 1998 in einer homöopathischen Klinik im Tessin hauptsächlich Tumorpatienten.

Sein Buch von 2006 „Die homöopathische Behandlung und Heilung von Krebs  und metastasierter Tumore“ erschien im Verlag Peter Irl 2008 bereits in 3. Auflage.

Er zitiert dort den §1 aus dem „Organon“ von Samuel Hahnemann „Des Arztes höchster und einziger Beruf ist, kranke Menschen gesund zu machen, was man heilen nennt.“

Kann die Homöopathie das bei Krebspatienten leisten?

Die Homöopathie will die Lebenskraft des Patienten stärken, wieder in Harmonie bringen, was disharmonisch im Körper des Menschen und in seiner Seele ihn krank machte.

Doch zur Homöopathie, sei es ambulant oder in eine so ausgerichtete Klinik, kommen Patienten, die im Sinne der Schulmedizin austherapiert sind, wo Chemotherapie und „Stahl und Strahl“, also chirurgische und Strahlentherapie ohne Erfolg blieben, wo Ärzte dem Leidenden nur noch Wochen oder wenige Monate Lebensspanne prophezeien.

Die Homöopathie ist oft die „letzte Wahl“.

Die Schulmedizin geht heute noch davon aus, dass es sich beim Krebsgeschehen um einen lokalen Prozess handelt. Demzufolge müsste nach einer Operation oder Bestrahlung der Patient eigentlich gänzlich geheilt sein. Wurster: Die traurige Statistik lehrt uns eines besseren. Der ganze Mensch ist krebskrank und erkrankt nur an seiner genetisch determinierten Schwachstelle. Oft wird ein, wie Hahnemann es nennt, Lokalübel geschaffen, in dem sich die Krebsgeschwulst manifestiert.

Für Wurster ist es kein Versagen der homöopathischen Therapie, wenn man die Schulmedizin mit einbezieht. Auch wenn er kein Freund der Chemotherapie ist, so hat er dennoch bei manchen sehr schnell wachsenden Tumoren mit einer Chemotherapie eine Reduktion der Tumormasse beobachtet, und hatte so  Zeit gewonnen, damit die homöopathischen Mittel greifen konnten. Wenn trotz einer Chemotherapie die Tumore rasch wuchsen, hatte er bei einer begleitenden homöopathischen Behandlung erlebt, wie die Tumore zurück gingen. Daraus folgt: Das Immunsystem ist der Schlüssel zur Heilung. Wenn es mit der Homöopathie gelingt das Immunsystem wieder anzuregen, dann wirkt es gegen jeden Tumor stärker als jede Chemotherapie.

Kommt ein Patient mit einem Tumor, der noch nicht vorbehandelt ist, so hat der Homöopath durch seine Anamnese ein klares Bild der allgemeinen Symptome des Patienten und der speziellen Tumorsymptome. Hier kann er leichter ein Mittel wählen als bei einem „austherapierten“ Patienten. Aber festzuhalten ist: Das beste Mittel für den Krebspatienten ist das, wo sich Konstitutionsmittel und Tumormittel entsprechen. Mit anderen Worten: Die bisherigen, historischen Symptome des Patienten und die Tumorsymptome decken sich.

Hat der Tumorpatient Schmerzen, so möchte er diese verständlicherweise als erstes loswerden. Doch manchmal kann der Homöopath, der sich auf die aktuelle Schmerzsymptomatik konzentriert, ein Heilmittel finden, welches nicht nur bei den Schmerzen hilft,  sondern eventuell auch bei dem Tumor. Schließlich gibt der Homöopath, anders als die Schulmedizin, nicht ein Mittel, welches die Schmerzempfindung reduziert, sondern er gibt ein inneres Mittel, welches einen inneren gestörten Zustand beeinflusst und auf grund dessen sich der Schmerz reguliert, er wird erträglicher.

In seinem Vortrag in Harlaching gab Wurster weitere Hinweise zur Schmerzbehandlung. Auch wenn nur die wenigsten Patienten mit fortgeschrittenen Tumorleiden wirklich geheilt werden können, so werden sie begleitet und erhalten Hilfe dabei, mit dem Tumor und mit bestmöglicher Lebensqualität zu leben. Deswegen sollte die Homöopathie mehr Einzug in die Palliativmedizin bekommen. Letztere wird nach der WHO und der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin definiert als „ die aktive, ganzheitliche Behandlung von Patienten mit einer progredienten, weit fortgeschrittenen Erkrankung und einer begrenzten Lebenserwartung zu der Zeit, in der die Erkrankung nicht mehr auf eine kurative Behandlung anspricht und die Beherrschung von Schmerzen, anderen Krankheitsbeschwerden, psychologischen, sozialen und spirituellen Problemen höchste Priorität besitzt“.

Auch wenn hier ein Heilen im Sinne des § 1 aus Hahnemanns Organon nicht mehr möglich ist, liegt hier ein wichtiges und wertvolles Arbeitsgebiet für Ärzte und Homöopathen.

Manche verzweifelte Tumorptienten leiden am meisten unter den Schmerzen, die auch mit stärksten Schmerzmitteln oder Morphinen nicht zu kontrollieren sind. Andere wiederum können gut mit den Schmerzen leben, wenn nicht die Angst vor dem Tod, oder die Verzweiflung die Familie verlassen zu müssen, ständige Unruhe und Angst auslöste.

Es macht einen großen Unterschied, ob ein Mensch in den sogenannten Endzuständen mit Homöopathie behandelt wird oder nicht. Wurster: „Wenn man erlebt hat, wie ein Mensch mit angstverzerrtem Gesicht, voller Unruhe und Angst den Tod erwartet und dann ein passendes homöopathisches Mittel erhält und sich auf einmal die Gesichtszüge entspannen und eine Ruhe einkehrt und die Angst vor dem Tod verschwindet, dann weiß man die Homöopathie als Geschenk für den Menschen zu schätzen.“

Genauso verhält es sich mit der Behandlung von Tumorschmerzen, wobei sich manchmal auch die Kombination aus konventioneller Schmerzmedikation und Homöopathie als sehr hilfreich erweist.

Bei den sogenannten Endzuständen kann die Homöopathie helfen, die letzte Phase des Lebens ohne Schmerzen und Angst, friedlich und würdevoll zu erleben.

 

 

 

© 2009 Gabriele Schöttler Heilpraktikerin

 

 

 

 

 

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